CITYPANTA® – SingleSpeed-Pedelec

Oh, ich Altphilologe. Πάντα ῥεῖ war meine erste Assoziation, als ich Panta versuchte zu dechiffrieren. Nein, auch kein Panda, sondern die Großkatzenfamilie Panthera stand bei diesem Namen Pate. Einfallen lassen hat den sich ein Wuppertaler Student: Can Öcal.

Das besondere an diesem Rad ist, dass es auf den ersten Blick nicht nach einem Pedelec aussieht. Auf dem zweiten auch noch nicht – zu sehr wird der Akku gesucht. Der Akku steckt fest im Unterrohr und ist nicht besonders groß: nur 7Ah-Samsung-Zellen speisen den 36V-Hinterradnabenmotor mit Freilauf.
Dafür fällt dann bei einem weiteren Blick auf, dass auch alles andere nicht dran ist. Kein Schutzblech, kein Kettenschutz, keine Reflektoren und keine Schaltung. Diese Tatsache hat mich doch direkt zu einer Probefahrt bewegt, um zu testen, ob ich umsonst immer einen wahnsinnigen Aufwand für wuppertaltaugliche Schaltungen mache, oder ob es nicht 38-14 und 250 Watt im Hinterrad auch getan hätten.

Auf der Probefahrt versuchte mein Daumen häufiger Gänge runterzuschalten, um beim Anfahren nicht den Akku zu strapazieren. So ist seit Jahren mein eigener Controller konfiguriert: erst nach einer Sekunde setzt die Unterstützung in meinem Alltagsrad ein – das schont den Akku, da die große Lastspitze im Anfahrtsmoment nicht entsteht. Aber ohne Schaltung – Anfahren am Berg?  Es geht im Wiegetritt – und dank des phänomenal geringen Gewicht von nur 14 kg. Die 25 km/h-Grenze bemerkte ich daher auch kaum, das Rad lässt sich auch ununterstützt in der Ebene mit über 30 km/h fahren.

Das Rahmenkonzept und das Gewicht erinnerte mich an das Rad von Nico, der Preis hingegen eher an das, was ich für meines bezahlt habe. Ja, es gibt schönere Schweißnähte, es gibt leisere Bremsen und Motoren, aber dieses spontane Haben-Wollen in den Augen meines Sohnes hat mich doch etwas beunruhigt… ist die Optik doch kaufentscheidend?

4 Gedanken zu „CITYPANTA® – SingleSpeed-Pedelec

  1. Alex

    Ich streite gar nicht ab, das dieses und auch viele weitere Bikes (wie Geero, Schindelhauer und Co.) durch das cleane Design eine gewisse Eleganz und Moderne ausstrahlen.

    Doch für uns beide sind diese Art Bikes einfach nicht alltagstauglich:
    – Zuladung passt nicht
    – Unterstützungslevel und -länge passt nicht
    – Wettertauglichkeit passt nicht und
    – die Gefahr des geklaut werdens ist viel zu groß!

    Wenn ich damit nur im Wiegetritt den (steilen) Berg hochkomme, dann ist es doch nur was für die angehenden Banker und Versicherer in der Frankfurter oder Berliner Metropole, die diese Art Bikes eher als Statussymbol benutzen.

    Dennoch ein dickes Lob an Can für seine Arbeit – das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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  2. von mir Beitragsautor

    Moin Alex,

    ja, das ist schon mutig, was Can da macht – ich habe es mich bei meiner Bergziege nicht getraut. Mindestens 50k in die Hand nehmen und ein Splitter eines Marktes zu bedienen – und das als Neueintritt.
    Das Pfund, mit dem er wuchern kann, ist seine Person – ein smarter Junger Mann – der kann auch einfach auf ein anderes Käufermilieu zielen.
    Wenn ich mir die beiden Jungs anschaue: https://www.geero.de/info/team dann versuchen die eben auch mit ihren Personen um die Kunden zu balzen. Und bei https://www.schindelhauerbikes.com/unternehmen/ ist nicht nur das product hero. Auch bei der anderen Wuppertaler Pedelec-Schmiede https://www.facebook.com/PeTTObike/ halten sie ihr Gesicht lächelnd in die Kamera.

    Ich will ja nicht einfach nur ein Fahrrad kaufen, das kann ich im Zweifel immer billiger im Internet tun – ich möchte, dass der Mensch, von dem ich es kaufe, mir vermittelt, dass das exakt das ist, was ich in dem Moment grade brauche. Ich gehe ja eine Beziehung mit dem Verkäufer ein.

    Mein Geld soll ja irgendwen glücklich machen, und da möchte ich schon wissen wen.

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    1. von mir Beitragsautor

      Jaja, keine Reflektoren. Ich habe diesen Aufkleber jetzt auch schon auf einem Rennrad gesehen und musste noch einmal in der StVZO §67 nachlesen, wo denn die Gewichtsregelung mit den 11 kg hingekommen ist. Gestrichen.
      Aber das Inverkehrbringen von unzulässigen Fahrzeugen ist ja aus der Automobil-Industrie bekannt (siehe VW) und durchaus Usus. Nun bin ich kein Jurist und habe keine Ahnung, ob so ein oranger Aufkleber mit einem Ausrufezeichen in einem Dreieck einen Hersteller aus der Herstellerhaftung entbindet. Oder ob sich derjenige, der sich draufsetzt und lostrampelt, ohnehin sich vorher über die Verkehrtauglichkeit nach der einschlägigen Gesetzeslage versichern muss. Im Zweifel bestimmt das die blaue – ehemals grüne – Rennleitung.
      Was ich noch kenne, ist eine kleine Anekdote aus von einem Kinderbuchverlag, der in China seine Produkte drucken lässt und zu manchen Büchern ein Gadget dazulegt. Diese Gadgets müssen mit Beipackzettel und dem Zeichen „nicht geeignet für Kinder 0-3 Jahre“ gekennzeichnet sein. Der Layouter hatte diese Grafik nicht mit dem rotem Ring angelegt, sondern aus Sparsamkeit den Ring in Schwarz gesetzt. Die Druckerei in China weigerte sich daraufhin die Beipackzettel zu drucken. Warum? Weil die Inverkehrbringung von Nicht-Kinderspielzeug ohne die Kennzeichnung in der Form mit rotem Ring in der EU verboten ist. Es sei ihnen kurz vorher ein Kunde in die Insolvenz gelaufen, der eine größere Stückzahl mit dem Rand in schwarz hat drucken lassen und dann die Auflage einstampfen musste, weil er sie nicht verkaufen durfte. Das kann einen kleinen Verlag schon mal zahlungsunfähig machen. Das wissen dann die Druckereien, weil auch sie dann kein Geld bekommen. Wie das jetzt auf dem Fahrradmarkt aussieht – am Goldrausch verdienen die mit den Schüppen.

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