Sch(w)eiß Gepäckträger

Das Fahrrad ist nach wie vor eines der effizientesten, sichersten und platzsparensten Fortbewegungsmittel der Welt. Die zunehmend leistungsstärkeren Elektromotoren für das Fahrrad machen völlig neue Fahrradkonzepte möglich. Es ist unsere Chance veraltete, dreckige und auf Verbrennungsmotoren basierende Technologien abzulösen. Wir wollen Städte in denen die Menschen im Mittelpunkt stehen. Wir wollen mehr Platz zum Leben. Dies motiviert uns und ist unser größter Antrieb. Deswegen haben wir [Carla Cargo] entwickelt.

 

mabe

Das Zitat ist ein Satz für mein Poesie-Album – aber zurück zum für mich Machbarem.
Das ALDI-Mifa-Curtis-2011-Pedelec hat ja schon einen Rahmentausch hinter sich. Was geblieben ist, war dieser Gepäckträger. Er hatte es gefühlt hinter sich, als auch der 2. Steg brach und sämtliche Schweißverbindungen unterhalb des Akkus den Geist aufgegeben hatten. Rost, Vibrationen, Gepäck – irgendwann war Schluss und für mich der klassische Moment gekommen, das Internet nach Ersatz zu konsultieren.

Schwierig. Den ersten Bestellten musste ich zurückschicken, weil aus der Artikelbeschreibung nicht die Akkuhöhe hervorging und ich mich auf die Zusicherung „Mifa-Curtis-Pedelec passt für alle“ verlassen hatte. Nö, passte nicht für das Gerät von 5 Jahren – und hat mir eine Freundin gesagt: Das ist doch wohl einfach zu schweißen, ich bring Dir das mal bei mir bei, dann kannst Du das beim nächsten Mal selber machen.

frau_schweisst_fahrrad-gepaecktraeger_werkstatt

Entrosten, anschleifen und sogar britzzeln durfte ich auch mal. Bis zu einem eigenen fahrtüchtigen Gerät (siehe Zitatgeber) brauche ich aber noch ein paar Versuche und viel Schutzgas-Schweißdraht für’s Üben.

Hat dann auch selbst Hand angelegt, die Gute.

 

 

3x Cyclehack

gummi-spanngurt_als_vorderrad-stabilisator

Aufgebockt schlug das Vorderrad immer um

Armbanduhr an einem Lenker befestigt

Armbanduhr an einem Lenker befestigt – das Pedelec-Display zeigt die Urzeit wohl nicht prominent genug an

sattelklemm-ruecklicht_auf_gepaecktraeger_mit_stoeckchen_fixiert

Sattelstützenklemmlicht auf dem Gepäckträger fixiert

Ich finde an Fahrrädern nicht nur schön, mich auf ihnen zu bewegen, sondern auch, dass ich die Freiheit habe, alles modifizieren zu können. Es gibt nur wenig Reglementierungen was ich dranschrauben oder anhängen darf – solange ich es mit meiner eigenen Muskelkraft bewegen kann, kann ich damit auch auf die Fahrbahn.

Hier nun meine kleine Sammlung von Verbesserungen am Rad:

Als Linkshänderin ist ein Zweibeinständer eine gute Möglichkeit nach rechts vom Rad zu steigen. Allerdings ist ein Rad mit Zweibeinständer, bei dem sowohl Akku, als auch Hundekorb auf dem Gepäckträger befestigt ist: vor allem hecklastig. An das fette Unterrohr eines Wave-Rahmens passte ein Lenkungsdämpfer nicht dran. Ein Gummiband hindert jetzt das Vorderrad vorm Umschlagen und das Rad am Umkippen.

Dass Fahrräder nicht nur zur Freizeitgestaltung dienen können, meine ich an der Tatsache erkennen zu können, dass sowohl ich Bedarf habe, vernünftig die Uhrzeit im Blick zu haben, als auch andere Menschen einen solchen Bedarf verspüren und sich mit einem Stück Heizungsrohr-Isolierung zu helfen wissen.

Und zu guter Letzt eine Lösung, wie günstig erstandene Batterielampen mit vorgesehener Befestigung an der Sattelstütze auch bei kurzbeinigen Menschen ans Rad geklemmt werden können – chapeau!

 

Stadtgestalterischer Fauxpas in zentraler Lage

platz_fuer_eine_radstation_am_doeppersberg

Eine Fläche zum Vollstellen. Mit Gerümpel, Baumaterial und nach dem Willen der FDP mit Fahrradboxen. Das kann zukünftig nur gammelig aussehen.

Das Radhaus am Döppersberg war ein viel zu teures und von Ideologie getragenes Projekt (…). Die Nichtweiterverfolgung des Radhaus (…) bewahrt Wuppertal vor einem stadtgestalterischen Fauxpas in zentraler Lage.

Gabriele Röder, FDP

Ein stadtgestalterischer Fauxpas ist das Leerlassen einer Fläche, um die die Stadt Wuppertal durch die Verschiebung des Investorenkubus betrogen wurde.

Als Trostpflaster hätte hier ein wegweisendes Bauwerk eines klaren Bekenntnisses zu einer zukunftsfähigen Mobilität dienen können. Verratzt. Es reicht eben nicht, wenn der Oberbürgermeister 2016 auf der lokalen critical mass mitfährt, damit Wuppertal 2025 eine Fahrradstadt ist – also für Wuppertaler Verhältnisse. „Fahrradstadt“ fängt für Wuppertal vermutlich schon bei einem Modalsplit-Anteil von 5% an – (Münster z.Zt. > 30%).

Gut, das Radhaus war jetzt nicht das Baby derjenigen, die sich als die Vertretung aller Radfahrenden Wuppertals verstehen. Deswegen ist vermutlich der Facebook-Aufschrei ein geringer gewesen.

„Nur wenn wir die Fahrradinfrastruktur in der Fläche verbessern und nicht nur punktuell durch ein ideologiegetragenes und nicht finanzierbarem Prestigeprojekt, wie einem Radhaus am Döppersberg, können wir das Radfahren als Alternative und als weiteres Verkehrsmittel etablieren.“

Gabriele Röder, FDP

Das war jetzt ein Satz aus der FDP-Rats-Fraktion. Und wie kommt man in die Fläche? In dem man irgendwo anfängt. Aber hey, es ist ja schon mal ein Ansatz, dass ernsthaft in Erwägung gezogen wird, Radfahren als Alternative zu etablieren …

So, und jetzt meine Laien-Meinung zum Thema Politik. Politik ist Zukunftsgestaltung, nicht -verwaltung und da gehört auch dieses igitti-igitti-gitt-Wort „Ideologie“ dazu. Und keine Umfragen, sondern durchaus auch ein Führungsanspruch und dessen Verwirklichung. Das kann auch mit Bürgerbeteiligung begleitet werden aber vor allem mit Überzeugung.

Von daher hoffen wir, dass die Stadtverwaltung Politik, Parkhausbetreiber und Einzelhändler nun endlich an einen Tisch holt, und die Realisierung von Fahrradboxen konstruktiv herbeiführt.

Gabriele Röder, FDP

Hoffen – hoffen ist kurz vor glauben. Und glauben ist nicht wissen. Und vor allem: nichts tun.

Super Radweg-Ausschilderung

stvo-zeichen_250_mit_zusatz_landwirtschaftlich_fahrrad

Neu: das Fahrrad auf dem Zusatzschild. Ich bin früher auch ohne explizite Erlaubnis da durch gefahren.

vohwinkeler-strasse_400V-ueberlandleitung

Wie? Jetzt links? Ich wäre ja rechts gefahren, nun gut …

niederbergbahn_kreuzt_autobahnzubringer_haan-ost

Die neuen Schilder. Gut! Danke.

Im Gegensatz zu früher, fahre ich jetzt sogar in den Ferien mit dem Fahrrad rum. Das Ziel hieß: Filzen in Haan mit den Kleinen.

Ouh – dachte ich, da ist doch auf dem direkten Weg nach Haan so eine extreme Steigung südlich der Bahnunterführung und ich hab 35 Minuten Zeit. Na, ich fahr mal los …

… was ich noch nicht bemerkt hatte war, dass Haan-Zentrum quasi ab meiner Haustür ausgeschildert ist. Die gesamten Trassen – und die Verbindungsstrecken zwischen ihnen – sind in meiner Nähe mit neuen Schildern ausgezeichnet worden. Also habe ich mich mal von den Schildern führen lassen, um mal zu schauen, wie die „Touristen“ hier so geführt werden. Ich muss der Streckengestaltung ein Kompliment machen, dass sie das gut hinbekommen haben. Aber nicht nur die Ausschilderung, sondern auch die Strecke als solche – schmale geteerte Pfade in zweiter Reihe unter lauschigen Bäumen – ich hätte das ohne jetzt nicht gefunden. Einmal, weil ich die Strecke nach Haan als Autofahrer kenne – und zum anderen, weil meine innere Fahrrad-Landkarte den Status vor der Erschließung des Niederbergischen mit Bahntrassen hat.

Und von der Topografie her macht die Ausschilderung jetzt weite Bögen um die knackigen Steigungen – nur wieder in Wuppertal geht es heftig bergauf und bergab. Wer das hier in der Gegend testen möchte, darf das gerne tun.

 

Fienchen – find ich gut

pedale_mit_pedal-pins_gewindestiften

Diese Pins möchte ich nicht im Schienbein haben

shimano-steps-display_vor_2016

2140 km seit 11/2015

shimano-steps_in_bullit-lastenrad

Dieser Ständer hat 2 Beine – das Rad rollt „aufgebockt“ trotzdem weiter – ist halt uneben und am Hang hier …

Wenn das Ausleihen von „Fienchen“ dazu führt, dass eine Woche später der Ausleihende für ein Pedelec über € 3.000 auf den Tisch legt, dann finde ich die Möglichkeit gut, in Wuppertal kostenfrei ein Pedelec ausleihen zu können. Das grün-weiße Pedelec tarnt sich als Lastenrad, hat eine verschließbare Kiste, in die offiziell 70kg eingeladen werden dürfen, und wird durch einen Shimano STePS-System angetrieben – d.h. die Naben-Schaltung des Rades wird ebenfalls durch die Motorsteuerung geregelt. Beide Laufräder werden durch Scheibenbremsen verzögert.

Der Wert des Rades wird mit € 6.000 kommuniziert, etwas, was mich beim letzten Mal in den Tisch hat beißen lassen.

Ich habe mich getäuscht! Ich habe ganz stumpf die Preisbereitschaft von Menschen unterschätzt, die in Wuppertal auch mal nicht nur im Tal radeln wollen.

Und vielleicht täusche ich mich auch bei der Kostenloskultur, dieser nichtkapitalistischen Nische, aber ich denke, dass dieses Konzept immer noch eine Zukunft hat, und die Zeit reif ist für einen größer aufgezogenen Pedelec-Verleih. Einer, der die Enge des Wuppertals als Katalysator für die eigene Entwicklung nimmt und nicht nur Konzepte und Inhalte von außerhalb kopiert.
Oder ist der Motor in einem freien Lastenrad schon ein Zugeständnis an das Wuppertal? Müsste ich sogar nicht mehr auf einschlägigen Facebook-Seiten lesen, dass es lächerlich ist, wenn ein 34jähriger sich ein Pedelec kauft? Vielleicht haben sich auch andere getäuscht.

Innenlager mit Lötlampe entfernt

innenlager_mit_ausbrennen_entfernt

Vierkant-Innenlager nach Wärmebehandlung

Ich tausche recht häufig Innenlager aus – weil sie verschlissen sind, oder weil sie zu kurz sind, als das noch eine Magnetscheibe neben eine der Kurbeln passt.

Wenn die Zähne des doch nicht so zähen Plastiks ausbrechen und ich zwar die Drehrichtung beachtet habe, aber das Material dann doch nicht mehr wollte, dann – ja dann – hatte ich das das letzte Mal mit Ausbohren probiert. Der Erfolg war, dass ich das Gewinde nachschneiden lassen musste. Also habe ich diesmal etwas anderes gemacht: ich habe eine Lötlampe benutzt um den Rahmen zu erwärmen und das Lager zur Kettenseite hin rausgeschlagen. Es ist eher so, dass der Rahmen durch die Erwärmung weiter wird, als dass das Lager „rausschmölze“.

Zu warm sollte es aber auch nicht werden, da sonst der Lack in Mitleidenschaft gezogen wird. Wie das aussieht, konnte im vergangenen Jahr häufig an abgebrannten Autos betrachtet werden.

Allerdings wurden diese lustigen bunten Blechdinger an den Fahrbahnseiten in Wuppertal schon lange nicht mehr angezündet. Scheinbar hat die Suche mit Phantombildern zu einer Ende der Serie an Brandstiftungen geführt. Ich finde zumindestens nicht mehr die Bilder der Phantome im Polizei-Nachrichten-Archiv.