Interview Nico (38)

Nico’s Börse heißt seine Lotto-Bude am Langerfelder Markt. Seit er in ein Haus oberhalb von Langerfeld gezogen ist, hat er verschiedene Pedelecs ausprobiert, um die 130 Höhenmeter zwischen seinem zu Hause und der Arbeit zu überwinden – dabei ist der Weg nur 1,3 km lang.

Wann hast du angefangen, Pedelec zu fahren?
2012. Zuerst ein Focus Jarifa mit BionX-Antrieb, dann ein Univega – auch mit BionX, ein KTM lycan – BionX – und jetzt ein Specialized Turbo S.

Das sind viele – verkaufst du die zwischendurch?
Ja, kaufen und verkaufen über’s Pedelec-Forum. Testen – spielen – weiterverkaufen. Der Walter Raptora sitzt in Remscheid und der macht die besten Setups. Da stimmt die Qualität!

Das Specialized Turbo S ist ein S-Pedelec…
Mich hat die 25-km/h-Drossel tierisch abgenervt. Die 15-18% Steigung zu dem Haus hoch habe ich zuerst auf meinem auf Geschwindkeit aufgebauten Rennrad gefahren – 9kg! Trotzdem echt heftig der Berg – leck mich am Arsch.

Und du hast dir direkt so ein chices Pedelec geholt?
Zuerst so ein Klapprad – das wog 27 kg. Ohne Gangschaltung für 500 Euro. Von so einem Polen, hatte ich noch einen Rechtsstreit mit, der ist anschließend bei eBay rausgeflogen. Es hatten aber auch andere Forenjünger Probleme mit dem.

Und dann bist du zum Fachhändler?
Der Walter aus dem Forum hat mir den höchsten Level eingestellt – der macht das seit 10, 12 Jahren – und das Dingen zog durch. Da habe ich gedacht: Jo, meins. Da geh ich nicht mehr runter. Das muss vernünftig fahren, sicher sein und mit der Mechanik kenn ich mich aus.

Was sind die bislang positivsten Erfahrungen?
Ich komm nicht mehr vollgeschwitzt bei mir zu Hause an, rasant, aber nicht abgekämpft. Und von der Zeit her, in 3 Minuten bin ich da bergauf. Das ist eine Erleichterung – ich habe einen doppelten Bandscheibenvorfall.

Negatives?
Wir haben hier keine Radwege. Ich bin fast mal in einem Anhänger gelandet. An den Reifen sind Reflexstreifen, wobei – mit Slics sieht das Rad hammergenial aus. Aber hier kann man nicht davon ausgehen, dass die anderen einen sehen.

Du kommst nicht aus Wuppertal, oder?
Wieso die Frage?

Meine Vermutung ist, dass viele, grade ältere, Wuppertaler nicht Fahrrad fahren können.
Ich komm aus Schleswig-Holstein. Ich bin schon immer Fahrrad gefahren.

Kiel hat 35 Höhenmeter.
In Kiel gibt es keine Höhen. Kiel ist supergenial ausgebaut für Fahrrad oder Longboard. Die Leute geben mehr acht, ist ja auch eine Studentenstadt, da wird viel mit dem Fahrrad bewegt. Es ist vom Fahren her schöner, du musst nicht aufpassen, wo du lang fährst. Die Autos knallen hier so durch, und die Fussgänger sind auf den Fahrradwegen. Wo will man auch hier gemütlich zum Strand fahren?

Wo parkst du in der Regel dein Rad?
Im Laden, oder im Büro zu Hause. Es bleibt nie draußen.

Wann lädst du deinen Akku?
Ich hab den kleinen Akku – einmal die Woche.

Mit welcher Unterstützungsstufe fährst du am häufigsten?
Eco.

Fährt noch jemand in deinem Haushalt ein Pedelec?
Nein.

Welche Schulnote würdest du dem Pedelec bezüglich seiner Alltagstauglichkeit geben?
Das Bike definitiv ’ne glatte 1. Die Ausstattung, die Sicherheit – sehr hoch. Der Fahrkomfort – topp das Teil!

Was sind die wichtigsten Gründe, das Pedelec zu nutzen?
Die Bewegung nach 12 Stunden im Laden. Um 6 Uhr mach‘ ich auf.

Unter welchen Umständen würdest du das Pedelec noch häufiger nutzen?
Weniger Arbeitszeit – aber als Selbständiger …

Für die Einkäufe für den Laden – machst du alles mit Lieferanten?
Meine Frau hat ja noch das Auto und die Metro ist um die Ecke. Was soll ich auf einem Fahrrad transportieren? Eine Stange Zigaretten?

Wann würdest du das Pedelec stehen lassen?
Sofern nicht pissiges Wetter ist – Nieselregen macht mir nichts. Und Eis – die Fahrbahn muss frei sein, -10°C gerne, wenn es trocken ist.

Wo siehst du die größsten Veränderungen?
Im Geldausgeben: Es wurde immer teurer.

Welches Image hat ein Pedelec?
Ich steh dazu. Wurde natürlich gefragt, aber wenn ich vorbeifliege – Oha, genial! Kommste nicht tot oben an, aber man muss mit reintreten. Ich mach das um nicht ganz einzurosten, mich fit zu halten. Die Kunden fragen nach der Technik und sonstigem – zwei Fahrräder habe ich schon vermittelt, an die ältere Generation.

Reist das Fahrrad auch mit – im Auto oder in der Bahn?
Ne, das bleibt hier. Im Norden hab ich ein normales Fahrrad.

Welches Verkehrsmittel würdest du vermissen, wenn du es nicht mehr zur Verfügung hättest?
Mein Fahrrad. (Blick auf’s rote Specialized Turbo S)

 

 

2 Gedanken zu „Interview Nico (38)

    1. von mir Beitragsautor

      Oh, zu dem Thema Wuppertal und seine Höhenmeter habe ich mal meinen jetzt gefahrenen Weg zur Arbeit als Höhenprofil aus Google Earth exportiert und auf der Seite ‚Fahrrad zur Arbeit‚ ergänzt. Im Vergleich zu dem vorher gewählten Weg sind es sogar 50 Höhenmeter mehr auf der Strecke – mit einer Steigung von bis zu 14%. Und die 14%, Bebbi, zeigst Du mir mal in Kiel auf der glazial überformten Topografie.
      Strecke: 13,4 km, Aufstieg 330 Meter. Ja, ich weiß, warum ich 250 Watt zusätzlich in meinem Vorderrad schätze. Ich möchte Dich bitten, mein Interview Review zu lesen, bei dem ich eine Arbeitshypothese aufstelle, warum die Infrastruktur für Radfahrende in Wuppertal so ist, wie sie ist. Das ist nur ein Hypothese – die ist potenziell falsifizierbar!

      Und zum Thema Radwege: Ich fahre auf meinem Weg zur Arbeit 40m kombinierten Fuß- und Radweg.[Ergänzung]Ich habe doch glatt meine Flow-Strecke nicht im Bewusstsein :-)[/Ergänzung] Die Fahrbahn ist für alle da.

      Antworten

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