Ruderrad

In den Garagen der Menschen, mit denen ich Freundschaften pflege, stehen immer lustige Dinge

ich auf einem Ruderrad

Es sollte top asphaltiert, möglichst eben und kein anderer Verkehr da sein

„Ja, du muss noch eingewiesen werden und für den Notfall wissen, wie das Treibseil wieder auf die Schnecke aufgelegt wird…“ – „Lass mal, ich fahr einfach los!“

Aus der Kategorie: Fahrzeuge, die für die Zeit nach der Verkehrswende nutzbar sind: das Ruderrad.

Liegefahrräder seien ja Verhütungsmittel – Stand von vor 10 Jahren. Dieses Liegerad bringt allerdings noch einen anderen Effekt für den Fahrer mit sich. Während bei Upright-Rädern, also den „normalen“ Rädern die Plautze frei schwingen kann und durch die elastischen Radlerhosen nicht nach vorne gebremst wird, wird durch die Schwerkraft das körpereigene Fett dem Ruderer sehr präsent. Und zwar mehr, als bei dem letzten Sofa-Liegerad, das ich gefahren bin. Der Befehl zur sofortigen Magersucht tritt nicht nur durch die nicht vorhandene Federung ein, sondern dadurch, das Muskelpartien für den Vortrieb genutzt werden können, die sonst nicht in Mitleidenschaft gezogen werden – und wenn ich Mitleidenschaft schreibe, dann meine ich den Muskelkater in der Quermuskulatur des Brustkorbes – ich wusste gar nicht, dass ich da welche hatte. Sämtliche Corona-bedingten Fettpölsterchen wurden entweder in Schwingung versetzt oder die Muskulatur darunter durfte mal richtig ran.

Dieses Ruderfahrrad ist ein Fitnessgerät. Ich kann mir vorstellen, dass es für ruhige Runden, gerne schnell, das ideale Fahrzeug ist. Die Geschwindigkeit habe ich jetzt nicht gemessen, aber anhand der Tatsache, dass es kaum Luftwiderstand hat und sehr viele Muskel beansprucht werden können, dürfte die Durchschnittsgeschwindigkeit auf langen Strecken deutlich über dem eines Upright-Fahrrades liegen.

Der Antrieb ist etwas gewöhnungbedürftig – es braucht Schuhe mit Cleats, um die Pedale auch zurückziehen zu können – und die klitzekleine Erklärung, dass der Hebel, der so aussieht, wie ein Schalthebel, kein Schalthebel, sondern eine Kupplung ist. „Geschaltet“ wird bei gedrückter Kupplung durch das Zurückziehen, oder das Hinausschieben des Pedalbereiches – je nach dem ob hoch oder runter geschaltet werden soll. Das Rückzug-Gummiband und das Treibseil werden damit in der Position um die Schnecke variert. Verstanden? Ne, ich auch nicht. Dafür gibt es 18 Videos vom Hersteller um das zu erklären. Leider kann nur in der Bewegung und nicht im Stand geschaltet werden, Ampelanfahrten und bergauf brauchen den Hub im Vorhinein. Der Wendekreis und die Trennscheiben-dünnen Räder erfordern Platz und ebenen Asphalt. Und die anderen Verkehrsteilnehmenden freie Sicht auf die Fahrbahn ohne parkende Fahrzeuge am Rand und keine Windschutzscheibe, die in 1,2 m Höhe beginnt.

Die Fahrt auf dem Rad ist auf jeden Fall deutlich cooler, als zu Hause auf dem Walnuss-Rudergerät für etwa den gleichen Preis Wasser zu verwirbeln.

Christiania Bike – no way

Christiania Bike

Ein echtes Christiania Bike verirrte sich zu mir

Jahrelang in München Licht gespendet – jetzt ins Bergische umgezogen

Hält die Kiste vorne einen Uklelenspieler aus? Was sagt ein Brevet-erfahrerner Jugendlicher zur Handhabung? Was macht das Pony auf dem Bild?

Auf drei 24″-Rädern schlingerte das Gefährt zu mir – eine nicht-mehr-ganz-so-junge Mutter mit einem doch recht jungen Einzelkind präsentierte mir stolz ihr Mitbringsel aus München. In München sind die Mieten unbezahlbar geworden, und wenn der Arbeitgeber auch eine Zweigstelle in der ursprünglichen Heimat hat – warum nicht direkt das Home Office ins eigene Kinderzimmer bauen? Stolz – das spürte ich – war sie und musste dennoch einräumen, dass sie doch mal über einen Pendix nachgedacht hat. Ich bin ein bisschen mit der Kiste rumgekurvt und habe festgestellt, dass dieses Fahrzeug weder für Kurven, noch für sportliches Fahren, noch für Anstiege, Schlaglöcher und Abfahrten geeignet ist.

Mobilitätslösungen entstehen ja bedingt durch eine Topografie, eine Infrastruktur und Bedarfe – also den Bedarf, zwei Sack Hühnerfutter durch die Gegend zu ziehen, den habe ich. Topografie habe ich auch – und keine Infrastruktur – die Wege in Kopenhagen werden wohl besser in Schuss sein, als hier auf dem Land oder in jeder Straße in Wuppertal, die aus Sparmaßnahmen lange keine schöne Asphaltschicht bekommen hat – und auf absehbare Zeit keine bekommen wird. Ja, wenn Fahrradinfrastruktur gebaut wird, dann bitte mit glattem Asphalt – und ohne Autos wären die vorhandenen Fahrbahnen schonmal ausreichend breit.

Bremshebel abgebrochen

gebrochner Bremsgiffhebel

Aluminium-Bremsgriff – gebrochen


Handbremse Fahrrad links

Etwas kürzerer (2-Finger-) Griff im alten Sockel – fällt kaum auf, oder?


Es ist wie ein Sammelbildchen-Album – da ich mir vorgenommen habe, mich nicht auf diesem Blog zu wiederholen – vorallem nicht bei dem allen, was kaputt gehen kann – passierte zwar ganz viel, aber nichts Dokumentierenwertes. Wie so Sammelbildchen, die schon längst im Album verklebt sind – und wer möchte mit mir schon Pannen-Dokumentationen und Belege unzureichender Hardware tauschen?

Diesmal meldete sich mein Kind damit, dass die Bremse an seinem Rad nicht mehr wirke. Na gut, Bremse gezogen, Cantilever-Geometrie überprüft – Schlag im Rad? Ah, der Griff bewegte sich etwas mehr, als er sollte. Tausche ich dafür denn den ganzen Griff – und habe ich noch einen linken Griff im Lager? Um nicht einen neue Endhülse für den Bowdenzug zu opfern, habe ich mich entschlossen, einfach den Hebel zu tauschen – dann muss ich auch nicht den Handgriff mühsam runterschieben. Nachdem ich den Hebel getauscht hatte, stellt ich fest, das vorher ein Griff für 4 Finger – und jetzt nur noch einer für 2-Finger am Rad war. Und irgendwie erinnerte mich das daran, dass ich jahrelang mit einem abgebrochenen Kupplungshebel Motorrad gefahren bin – das einzige, das gelitten hat, war das Leder vom linken Motorradhandschuh.

Blumensamenstreuer am Fahrrad

Blumensamen in Streudose

Japanische Blumenmischung – sind das nicht Xenophyten? Gehören die in Gegend gestreut?

Tagpfauenauge auf Löwenzahn

Es braucht nichts Exotisches um die heimische Fauna zu unterhalten

Blumensaat in bereitetem Saatbeet

Blumenwiesen anlegen wie gedacht – wenn die Spatzen nicht schon alles rausgepiickt haben

Kaum hatte ich meinen letzten Beitrag veröffentlicht, kam ein befreundeter Unternehmer auf mich zu und fragte, was ich von der Idee hielte, ein Gerät zu bauen, dass Blumensamen während des Radfahrens verstreut und alle nachher die versprochenden blühenden Landschaften vorfänden.
Meine erste Assoziation war der Wurstblinker, den tatsächlich jemand auf sein Mopped geschraubt hat.
Gutes tun beim Gutes tun. – Quasi ein doppeltes win-win. Radfahrende sind immer so schwierig zu beschenken, also wäre das doch ein super zu vermarktendes Gadget. Es kommt ja nicht darauf an, was sinnvoll ist, sondern was als sinnvoll erachtet wird und somit gekauft wird.
Eine Möglichkeit wäre die Samen noch als Seedbombs zu verpacken, die ließen sich leichter verschießen und es gäbe direkt einen bisschen Nährstoff für die Zeit nach der Keimung dazu. Und die Saat gibt es ja nicht nur in der 50 g Packung, die im 10 kg-Gebinde würden es ja auch tun. Ob jetzt der eigene Balkon oder mit der großen Kanone das gesamte Areal um einen herum zum Blühen gebracht werden soll – alles ist besser als dieser Trend bei Vorgärten.
Es ist leider so, dass die Blumensamen am Besten ein bereitetes Beet zum Wachsen haben möchten. Wenn also die Samen auf Asphalt fallen, sind sie verloren. Aber nun – selbst die Zucht von Saatgut ist ja schon bienenfreundlich – und die „Produktreste“ in der Natur 100% biologisch abbaubar.

 

Oder es könnten diese unsäglichen NERF-Waffen benutzt werden, und Projektile aus Maisstärke und im Kopf Erde mit Samen. Da die Projektile Handarbeit sein werden und mir noch nicht klar ist, wie die Form der Schaumstoffschäfte mit Maisstärke erzeugbar sind, wird der Preis pro zu verschießdender „Pflanzen-Munition“ vermutlich nicht marktkonform sein.

Wäre aber ein schönes (Plastik-)Schwerter zu Pflugscharen-Gadget.

Mehr ist nur mehr in den Taschen anderer

Ich finde es immer noch unsinnig mich zu bewegen, wenn kein Ziel dadurch zu erreichen ist. Also baue ich mir Ziele wie „Altglas entsorgen“, „einkaufen gehen“ oder „Bienenweide in Schattenbereichen anlegen“.

Nur Fahrrad fahre ich seltener – aber häufiger werde ich gefragt, welches Pedelec denn so gekauft werden solle – z.B. mit einem Link und der Frage: das hier?

Ich schau mir das an und fasse mir nur an den Kopf. Was eine riesengroße Arschlochnummer der Fahrradfabrikanten. 12 Gänge! Alleine wenn ich mir die Ersatzteilpreise schaue, wird mir schlecht. Über 100 € für eine Kette! Bin ich beim Juwelier, oder was? Ich hatte ja schon über 11-Gänge geranted, aber 12 Gänge sind meiner Meinung nach schlicht Beutelschneiderei.

Dass Kettenschaltungen schneller als Nabenschaltungen verschleißen, sollte jeder radfahrenden Person bewusst sein – aber die Zielgruppe, die abgefischt werden soll – nämlich Auto-Sozialisierte – wissen das noch nicht und werden sich noch wundern, wenn das erste Mal die Kette durchrutscht und sie das Rad beim – sich die Hände reibenden – Fachhändler zur Reparatur abgeben. Da hätte sich eine Nabenschaltung wie die Roloff Speedhub nicht in 8.000 km / Jahr amortisiert, sondern schon viel früher. Mal sehen, wie hoch die durchschnittliche Laufleistung von einem solchen Pedelec ist. Das ist keine nachhaltige Produktstrategie, sondern kurzsichtige Gewinnmaximierung.

 

Bei der empfundenden Notwendigkeit einen Kredit für zu hochpreisige Waren aufzunehmen, wenigstens die angebotenen Zinssätze vergleichen …

Dank meiner „Beratung“ wurde es dann doch ein 30-Gang-Rad ohne elektrische Unterstützung. Den Berg käme auch ohne Motor hoch, meinte er, aber hat auch im vierzigsten Lebenjahr noch keine Fahrerlaubnis für MIV und somit hätte sich auch in diesem konkreten Fall keine Verlagerung vom Auto zum Fahrrad ergeben.

Rolle rückwärts und dann gucken

Seit ich einen Twizy im Fuhrpark habe, wurde mit dem 2.393 km mit Nachweis abgespult. Das zu einem CO2-Preis von etwa 59 g/km. Während der Zeit vom 04.11.2020 bis zum 18.03.2021 wurden für die Mobilität mit dem Gerät 141 kg CO2 freigesetzt.

Mit dem VW-Bus wurden im gleichen Zeitraum 4.202 km mit Erzeugung von 921 kg CO2 zurückgelegt. Schaue ich mir den Vorjahres-Zeitraum (04.11.2019 – 18.03.2020) an, so fuhr der Bus in dem Zeitraum 8.049 km – fast doppelt so viel.

Jetzt ist die Frage, wie groß könnte der Corona-Effekt sein? Zusammen sind die beiden Fahrzeuge ca. 6.500 km bewegt worden, schaue ich auf die Bewegung des Busses in 4,5 Monaten im Jahr 2020 unter Home-Schooling- und Home-Office-Bedingungen an, so wurde vom 15.6.2020 bis 31.10.2020 der Bus ca. 6.500 km bewegt.

Grob vereinfacht hat also der Twizy ⅓ der Fahrleistung des Busses übernommen.

Nun könnte noch angeführt werden, dass vor allem Kurzstrecken substituiert wurden. Leider führe ich kein Fahrtenbuch, sodass ich nur Kurzstrecken des Busses zählen könnte. Aber vielleicht hilft ja auch die Aussage, dass ich mit dem Bus dieses Jahr erst 1x Tanken war. Seit dem Lockdown gibt es keine Gelegenheit mehr übers Wochenende die Location zu wechseln.

Wie dem auch sei, der Twizy nimmt dem Bus Anteile im Mobilitätsmix ab, aber auch bei mir und meinem Fahrrad. Ehrlicherweise bin ich dieses Jahr nur sehr sporadisch mit dem Rad gefahren. Deswegen ist auch auf dem Blog hier Schweigen im Walde. Durch diesen Umstand kann ich jetzt aber rückwärts betrachten, welchen Benefit das Fahrradfahren mir gebracht hat. Und ja, ich fahre elektrounterstützt. Das Augenfälligste ist vielleicht die Umverteilung der Körpermuskulatur. Ich habe angefangen, Klimmzüge und Liegestütze zu machen, was dazu geführt hat, dass sich mein Oberarmumfang in dem Maße vergrößert hat, wie mein Oberschenkelumfang geschrumpft ist. Um meine Oberschenkel schlabbert inzwischen die Hose, um den Oberarm spannt sich das T-Shirt. Allerdings die Allergien, die auf die Atemwege schlagen, sind wieder voll da und meine Ausdauer ist erheblich reduziert. Wenn ich dann doch mal mit einem Rad fahre, pfeife ich lustig lange vor mich hin, weil ich die Belastung nicht mehr gewöhnt bin.

Was also hält mich ab, weiterhin mit dem Rad zu fahren und meine Ausdauer zu trainieren? Der Twizy ist einfach bequemer und schneller, sodass ich spontan mehr auf die Kette bekomme. Auch das Bringen und Abholen von Kindern ist ungemein einfacher als mit dem Rad, weil eben hinten ein weiterer Platz ist. Diesen Vorteil bieten auch diese vierrädrigen Leichstfahrzeuge City Q und das Bio-Hybrid. Aber die deutsche Beschränkung auf 250 Watt wird verhindern, dass die sich irgendwie am Markt etablieren können werden. Ab 1.000 Watt dürften die von den Fahrleistungen her interessant werden. Auch der neue Citroën Ami wird an der Limitierung auf 45 km/h scheitern. Interessant an den beiden Erstgenannten ist jedoch die Entfernbarkeit des Akkus bei dem Besitz von Innenstadtbewohnern. Ich kann ja niemanden innerstädtisch ernsthaft einen Twizy empfehlen, weil es einfach an Auflademöglichkeiten mangelt. Außerdem ist ein Fahrzeug wie ein Twizy eine reine Zweitfahrzeug-Lösung. Aber, so wie ich die Menschen in meiner Umgebung wahrnehme, ist er geeignet im eigenen Besitz zu sein, denn der Besitz eines Autos ist eine hohe Selbstidentifikations- oder Selbstdefinitions-Dimension. Größere Fahrzeuge, die höhere Freiheitsgrade versprechen, könnten dann ja bei Bedarf geliehen oder gemietet werden. Bisher wird es ja andersherum versucht, das Kleinfahrzeug als Mietling anzubieten und das große als Besitztum. Funktioniert ja für die Automobilindustrie, wenn weiter mit dem eigenen 60 Tsd-€-VW-T6-Wohnmobil zu IKEA gefahren wird.

Apropos Einkaufen, in Kolumbien wird zu zweit mit einem Twizy eingekauft und dann der Wagen gepackt. Hier wird um 20:25 nach dem Abendessen schlagartig klar, dass das Brot für morgen nicht mehr reichen wird und auch die Milch zur Neige gehen wird – also muss schnell eingekauft werden.

Einkaufswagen, Twizy, ALDI-Parkplatz

Gefüllter Einkaufswagen mit einem „Standard-4-Tages-Einkauf“

Alles im Twizy verstaut

Ladungssicherung durch Formschluss

Das ginge doch auch mit einem Lastenrad – ich kann auch in einen Unverpacktladen einkaufen gehen – leider habe ich für beides weder Zeit noch Geld. Die Supermarkt-Infrastruktur ist auf Autos ausgelegt, und da ich nach der Lösung mit einem geringen ökologischen Impakt trachte, die ich auch bei Schlechtwetter nutzen kann, ohne mir Gedanken über meine Kleidung zu machen, bin ich ja beim Twizy gelandet. Das heißt jetzt nicht, dass ich den für immer und ewig bewegen werde, nur zurzeit genieße ich die Vorteile, die ein Auto bieten kann, ohne ein besonders schlechtes Gewissen zu haben.