Wiesbaden

Fahrradstraße quert Ringstraße

Infrastruktur nicht erst seit gestern.

Abgestellte Fahrräder auf dem Bahnhofsvorplatz Wiesbaden

Bahnhofsvorplatz mit deutlich mehr Stellfläche als in Wuppertal – gibt trotzdem zu wenige Fahrradbügel

Mietrad der Stadtwerke Wiesbaden

Auf diesem Gepäckträger möchte keine Person mitgenommen werden

Wiesbaden ist beim ADFC-Klimatest immer auf den hinteren Plätzen. Liebe Wiesbadener – kommt mal nach Wuppertal, vielleicht ist Wiesbaden dann nicht mehr ganz so schlecht.

Als ich mich nach öffentlichen Verleihsystemen für Pedelecs kündig machte – so um 2012 – gab es von der Deutschen Bahn ein Angebot in Wiesbaden. Aber durch die beginnende Marktsättigung mit Pedelecs schließen ja auch bei anderen Anbietern schon die ersten Stationen wieder.

Als ich nun durch Wiesbaden schlenderte – denn schneller kann ich mich mit kleinen Kindern im Schlepp nicht bewegen – fiel mir auf:

1.) die von den Stadtwerken angebotenen Leihfahrräder werden tatsächlich genutzt
2.) sich als Familie ohne eigenes Auto durch eine Stadt zu bewegen ist mindestens selten, wenn nicht ganz und gar ungewöhnlich. Eigentlich hat man in einem Bürgerkäfig zu sitzen – zumindestens in meiner sozialen Schicht.
3.) es gibt zu wenige Fahrradabstellbügel, auch wenn diese vom Design her im einzelnen ganz chic sind und nach zuviel Geld im Landeshauptstadtsäckel riechen –
4.) Wiesbaden hat im Gegensatz zu Wuppertal noch eine Bergbahn und im Kletterwald Seilbahnen – die allerdings nicht barrierefrei sind. Apropos Seilbahn –
ich bin gespannt, ob die Website „Seilbahn2025“ noch vor 2025 abgeschaltet wird.

3D-Druck

Fast wie eine Spritzgussform - 3D-Druck in Kreditkartenformat

Mehr so zweidimensional aus dem 3D-Drucker

Entgratet und bemaltes Filament

Entgratet und bemalt

Modell eines Fahrrades

Zusammengesteckt und ergänzt mit „Motor“ und „Akku“

Mein Kollege beglückte mich neulich mit einem Ausdruck seines neuen 3D-Druckers. Er fand die Ursprungsform bei Thingiverse und tauschte die japanischen Schriftzeichen gegen meine Blog-URL. Er benutzte dafür tinkercad um die .stl-Dateien online zu manipulieren. Für die offline-Betrachtung eignet sich dieses Programm. Da kann auch 30 Tage in der Vollversion herumgespielt werden, aber ich habe es in dem Zeitraum nicht geschafft, mich damit so weit auseinanderzusetzen, dass ich die Grundformen vereinen oder voneinander abziehen konnte. Für die Ritzel als Vektorgrafiken muss ich wohl mehr Zeit gehabt haben…

Ich habe in meinem beschaulichen Leben im Übrigen noch nichts gefunden, dass für das ich Kunststoff-Filament hätte erhitzen und in engen Schleifen übereinander hätte gießen müssen. Obwohl ich gerne bastele ist vermutlich mein Satisfizierungsniveau bezüglich „Form“ eher unterentwickelt. Statt Klebeband zu benutzen hätte ich mir auch bestimmt eine Außenhülle für meinen Controller am Rad ausdrucken können. Oder aus Birkensperrholz mir eine Kiste zurechtsägen und lackieren können, aber die Verwendung von Holz am Fahrrad bekommt noch einen eigenen Artikel ;-)

Nachdem ich die Bausatzeinzelteile aus dem visitenkartengroßen Rahmen herausgelöst und mit White-Board-Markern Farbe auf das erstarrte Filament aufgetragen hatte, muss ich sagen: Dank der Lenkerform kommt das Modell dem Aussehen meines aktuellen Rad-Zustandes recht nah.

Vintage Pedelec

Blatt Papier mit einer Preisliste für Pedelecs und Umbausätzen von 2003

Preisliste für Pedelecs und Umbausätzen von 2003

€ 100 für ein Pedelec! Dieses Angebot konnte ich nicht stehen lassen. Dass das Fahrrad schon 16 Jahre alt war und aus Österreich stammt, ahnte ich noch nicht. Erstaunlich ist, dass der Akku noch hält – für wie lange kann ich noch nicht abschließend sagen, aber er lässt sich laden und gibt auch wieder Strom ab. Der Strom wird allerdings durch Steckverbindungen geschickt, die den Stromstärken nicht gewachsen sind. Die Steckkontakte sind innerlich abgebrizzelt, so dass mich die in der Verkaufsanzeige beschriebenen „Funktionsstörungen“ nicht wundern.

Das Bauteil, dass in mir den größsten Kaufimpuls erzeugte, war allerdings das „Display“. Orrrr… auf der in einer Spritzgussverschalung gehaltenen Anzeige in Motorrad-Optik leuchten bis zu 5 LEDs gleichzeitig! Ein Mäusekino mit einem besonderen Thrill-Level – einem roten Bereich! Die 5. LED leuchtet, wenn der gemessene Stromfluss 10 Ampere erreicht! Dann leuchtet das Dingen rot! Für die, die nicht wissen, was die Aussage dieses Lichtes sein soll, steht es noch einmal daneben: !red LED is on Help by pedaling

Es gab auch schon am Ende der 90er Jahre gelbe LEDs… gut, das Dingen leuchtet rot, wenn mindestens 360 Watt auf das Vorderrad wirken. In Österreich dürfen 600 Watt gefahren werden … leider nicht in Deutschland – sonst würde manch ein Lastentransport noch angenehmer sein.

Der Grip-Shift-Drehgriff für die 3-Gangschaltung ist links befestigt und daher in der Bedienung etwas ungewohnt, da die Schaltung in die andere Richtung gedreht werden möchte. Solche verinnerlichten Handlungsweisen – wie Runterschalten durch nach unten drehen – fallen mir bei verdrehter Montage erst auf. Der Griff musste nach Links, weil auf der rechten Seite der „Gas“-Griff verbaut wurde. Die Unterstützung durch den Motor kann über den rechten Handgriff stufenlos gewählt werden. Die Motorsteuerung wartet auf den Impuls vom Tretlager, der dort mit einem Magnet am Kettenblatt und in einem Tacho-Hallsensor erzeugt wird.

Der läppsche Rahmen mit Vorderradmotor wird mit einem sich immer wieder losruckelnden Steuerlager bezahlt. Die Felgenbremsen sind auch für Historiker interessant, weil dort Cantilever-Bremsklötze in V-Brakes eingebaut werden. Quasi mal wieder das Schlimmste aus zwei Welten …

Wie ich der mitgekauften Preisliste von 2003 entnehmen kann, handelt sich um eines der günstigsten der damals verfügbare Pedelecs:

City-Bike 3-Gang: € 1.199

Und nachdem ich das Schloss für den Akku aufgebohrt habe, da der Schlüssel fehlte und der Akku nur eingebaut hätte geladen werden können – habe ich es bereut, denn das Ersatzteil kostet € 16 und der Versand dazu € 30. 20 % Mehrwertsteuer hin oder her … das ist zu viel.

Mir allerdings auch zu viel – ich verkaufe es gerne wieder.

1 Jahr Dokumentation platter Wirbeltiere auf Asphalt

Seit ich einen Maulwurf mit dem mir eigenen Zynismus auf Twitter postete, hat mich das Team roadkill.at eingesammelt und eingeladen auf ihrer Roadkill-Sammelseite meine Funde zu dokumentieren. Es sind viele geworden, obwohl ich mich weitestgehend auf meinen Weg zur Arbeit beschränke. Am Wochenende sammele ich nicht, wo ich wohne, und wo ich arbeite kann ja recht schnell gegoogelt werden, wo ich meine Wochenende verbringe muss ich ja niemanden auf die Nase binden ;-)

Also, ich sammelte ja schon vorher – aber nur den – ich sag mal – nicht alltäglichen Roadkill. Ab dem 24. Februar 2014: Eichhörnchen, Waschbär, Ringelnatter, Blindschleiche und Kaninchen – daher konnte ich 16 Funde nachtragen und begann dann vor einem Jahr mit dem quasi täglichen Posten von Funden. Seit dem 5. September 2018 lege ich neben die Funde ein Maßband, da die Größe von Reptilien oder Amphibien sonst nicht mehr nachvollziehbar ist.

Taubenfedern vor Bushaltestelle

Nach Diskussion kein Roadkill-Spot, da unklar war, ob die Taube nicht von einem anderen Vogel gerupft wurde, oder doch ein Anprallopfer wurde.

Irgendwann konnte ich Erdkröte von Kreuzkröte unterscheiden, so viele unterschiedliche Amphibienarten gibt es hier ja gar nicht mehr.

Bilanz erfasster toter Wirbeltiere auf Asphalt zwischen dem 01. Juli 2018 und dem 01. Juli 2019:

93 Amphibien
32 Vögel
22 Säugetiere
3 Reptilien

Manchmal entspinnen sich an den Spots interessante Diskussionen. Das Mitteilungsbedürfnis ist da. Und wenn es um süße kleine Meisen geht, gibt es auf der einen Hand die Diskussion auf Twitter und auf der anderen eine auf der Roadkill-Seite.

Die Liegedauer von Roadkill ist auch sehr unterschiedlich – diese Katze war zum Beispiel nach 6 Stunden nicht mehr nachweisbar. Obwohl so ein großer Fuchskadaver nicht weggeräumt lange liegen bleiben kann. Also hat die Katze jemand weggeräumt – vielleicht aus Scham.

Ich werde auch als „Perverser“ bezeichnet, weil ich die toten Tiere fotografiere. Pervers ist, dass die Selbstreflektion der Autofahrenden NULL ist. Oder wenn Selbstreflektion da ist, sie nicht in Handeln mündet, die Klima-, Fauna- und Sozialstruktur-Tötungsmaschine stehen zu lassen und  für die eigene Mobilität umwelt- und sozialverträglichere Mittel zu nutzen. Ein Fahrrad zum Beispiel – oder hier im Bergischen ein Pedelec eben.

Apropos Autofahrende … es besteht ein signifikater Unterschied zwischen der Erfassung in Österreich und der in Deutschland. Die Erlebniswelt Autofahrender scheint in Deutschland die Autobahn zu sein – und in 86% der Fälle allein im Auto sitzend. Die Kultur bei Roadkill einfach den Blick abzuwenden und ihn als unvermeidbar zu bezeichnen – in Australien liegen z.B. einem Menschen Wombats am Herzen. Auch down under wird die Fauna einfach mit dem Auto platt gemacht.

Finale Betrachtung des Chariot Corsaire XL

So. 6 Jahre dokumentierte Nutzung. Das Blöde an meiner Art des Testberichtes ist, er ist immer retrospektiv. Manchmal so retrospektiv, dass der Hersteller nicht mehr existiert, oder das Produkt aus dem Sortiment genommen worden ist, bevor seine Lebenszeit bei mir geendet hat. Nun auch diesmal, der Kinderanhängerhersteller wurde von einem Automobilzubehörhersteller aufgekauft(?) und jetzt wird für ein Exemplar der Baureihe bis zu € 1.500 aufgerufen. Bleibt mir die Beratung für den Gebrauchtmarkt für Anhänger die 10 oder 15 Jahre alt sind …

Womit fing der Niedergang an? Eigentlich war ich sehr glücklich mit dem Gerät, bis ein Hinterrad eine solche Acht hatte, dass weder ich noch Hans-Arnold damit glücklich wurden. Also beauftrage ich Hans-Arnold mir eine neue Felge für die Kinderanhänger-Stecknabe einzuspeichen. Dann hat er nachgezählt und ist auf 24 Speichen gekommen. 28-Loch-20″-Felgen könne er wohl besorgen, aber 24-„Leichtbau“-Alufelgen für Anhänger würde ich wohl nur beim Anhänger-Hersteller selbst bekommen.

Also gut, habe ich mich dazu entschlossen, ein neues Hinterrad mit Steckachse für den Chariot zu kaufen. € 125 – wo eine Felge sonst eingespeicht unter € 20 zu bekommen wäre. Gut, es gäbe auch die Möglichkeit ein Rad mit einer anderen Nabe für € 90 zu kaufen und umzuspeichen, wenn es nicht ohnehin passte. Aber zu diesem Versuch kam es nicht mehr. Eine Kollegin meiner Frau sah den ranzigen Anhänger und erzählte, dass sie den gleichen im Keller stehen hätte, der ihr immer im Weg rumstünde und sie ja ohnehin kein Fahrrad mehr führe. Sie wolle ihn mir schenken. Da ich alles kann, nur nicht „Nein“ bei Fahrraddingen sagen, hatte ich vier Tage später das Vorgängermodell auf dem Hof stehen.

Der Alte war wog 3 kg weniger und die Deichsel konnte einfach getauscht werden – sonst hätte ich wohlmöglich noch eine neue Weber-Kupplung für 4-Kant-Deichseln gebraucht. €50.

Der alte Anhänger ist im direkten Vergleich: ungefedert, ohne Feststellbremse, ohne kombiniertes Regen- Insekten-Verdeck – hat klarere „Scheiben“ und ein schlechteres Gurtsystem, das vom Kind selber nicht mehr geöffnet werden kann. Naja, es ist wohl Ansichtsache, ob das jetzt gut oder schlecht ist –

Der Sturz der Räder ist deutlich negativ und da die Räder aus Plastik sind reagiert der in die Fahrbahn eingelassene Anforderungskontakt einer Ampel, an der ich täglich vorbeikomme nicht mehr – immerhin Speichen werden wohl auch nicht mehr kaputt gehen. Hauptsache, das Kind bleibt vollständig trocken auf dem Transport zur Kindertagesstätte. Sonst fahren wir zusammen mit dem Trailerbike.

Fahrräder für 13jährige Mädchen

Kurzliegerad mit Lenkung über den Knien

Freakfaktor 100: Kurzliegerad mit Lenkung über den Knien

Jugendliche auf Uralt-Pedelec

Och Papa, echt jetzt? Das Dingen ist Schrott!

Pedelec auf Rasenfläche

Fahrrad, das einer gleichaltrigen Freundlin zur Verfügung steht

Wenn ich hier schon auf das Gender Rücksicht nehme, meinem damals 10jährigen Sohn ein Fahrrad gesucht habe, schaue ich mal auf die Räder, die andere Väter ihren Töchtern zur Verfügung stellen. Meine Tochter muss ja mit einem selbstgebauten Pedelec durch die Gegend fahren, andere bekommen für ihre pubertäre Mobilität ein Liegerad zur Verfügung. Wieder andere Eltern fahren ihre Kinder in SUVs zu den physikalisch sozialen Kontakten … das können die mal schön selber machen – aber das denke nicht nur ich, sondern auch die Leute, die möchten, dass benzingetriebene Fahrzeuge schon gefahren werden dürfen, weit bevor gewählt werden darf … so mit 15, oder 16/17.

Sehr gefreut hat es mich, als bei einer gleichaltrigen Freundin das Gebrachtwerden damit endete, dass das Mädchen einfach das Pedelec vom Opa zur Verfügung gestellt bekam, um hier im Wuppertaler Westen individuell mobil zu sein.

Es mag dem Terrain hier geschuldet sein, aber besser als mit dem Auto rumzufahren ist immernoch mit einem elektrischen Hilfsantrieb unterwegs zu sein, auch wenn das nicht die reine Fahrradlehre ist, aber den Bewegungsradius erhöht und die Zeiten verkürzt – auch für die Eltern: Pfadfinder* ist heute, du hast noch 12 Minuten, sieh zu, dass du vom Platz kommst!

Ein anderer mir bekannter Vater kaufte seiner etwas älteren Tochter direkt ein Cabrio zum begleitenen Fahren mit 17 – dann doch lieber Pedelec mit 13. Oder 9 ;-)

*Entfernung zum Treffpunkt: 4,2 km