Wuppertal

Tja, ein Beitrag in der Kategorie „Städtereisen“ und dann ist das meine Heimatstadt Wuppertal – da fehlt mir ja so ein bisschen die Distanz. Auf die Idee eines Artikels mit Außensicht bin ich gekommen, als ich mit einem Team-Mitglied des KLAK-Fahrradkinos in Wuppertal unterwegs war. Während ein anderer Teil des durchreisenden Teams vor der Kamera saß, hab ich meinen verwandtschaftlichen Grad genutzt, um eine Freiburger Studentin zu überzeugen sich auf die Mighty-Mint zu setzen und eine Runde ums Wuppertal zu drehen.

Die Vorbehalte gegenüber Pedelecs kenne ich ja schon:

Zu Hause bin ich mal das Pedelec von meinem Papa gefahren – ich brauche so etwas nicht.



Die Runde beginnt bei der Ladebühne im Westen und verlief entgegen des Uhrzeigersinns – nach kurzer Fahrt war stießen wir auf die Brücke am Thurn. Die Verwunderung fand Ausdruck in den Worten:

Wo kommt denn auf einmal diese Brücke her?

Die verbindet einen durch diese Autobahn-Schneise zerteilten Stadtteil: Sonnborn.


Die Schwebebahn hängt aber tief, ich hab mir das viel höher vorgestellt. Aber klar, sind ja unten keine Räder dran…



Nachdem wir das Zoo-Viertel durchquert hatten, gelangten wir zum Schwarzen Weg, der ein besonderes Talpanorama bietet:

Boah, ist das grün!

Ja, das liegt daran, dass so viele Flächen so steil sind, dass kein Haus darauf gebaut werden konnte und sich jetzt an den steilen Hängen die Vegetation breit macht.



Nach der Fahrt durch die Weidenstraße

Die Straßen sind schlecht.

Jo, Wuppertal ist pleite. Die haben nicht mal Geld für Fahrbahnbeläge.



Auf der Pfalzgrafenstraße sah ich, dass ihr Gesicht etwas stärker durchblutet wurde …

Du kannst die Unterstützung ruhig höher stellen, du brichst dir hier wirklich keinen Zacken dafür aus der Krone.



 

So eine Tour wüsste ich nicht in Freiburg zusammenzubekommen, das geht hier ja nur durch Wohngebiete und gar nicht längs irgendwelcher Hauptverkehrsadern!



Am Toelleturm haben wir dann bei Creme Eis gegessen. Und während ich mich umschaute, dachte ich mir, Mensch, was für ein Unterschied im Publikum – einmal Creme Eis am Otto-Böhne-Platz, einmal hier oben bei den gebügelten Hemden. Prompt sprach mich ein alter Klassenkamerad an, der mich zwar noch erkannte, ich aber mit der Namensfindung echte Probleme hatte – ja nun, ich bin höchst selten in diesem Viertel und verkehre auch nicht in den Kreisen. Und die in Wuppertal parallel existierenden Kreise, Blasen oder Welten haben kaum Schnittmengen – sie scheinen für mich berührungsfrei nebeneinander zu existieren. Die soziale Disparität, mit der mal am WDG gelebt wurde, ist so erheblich, dass er nicht mal wusste, was aus Helge geworden war, interessiert ja auch nicht, wenn man in Ingolstadt Motoren mitentwickelt und der Ex-Vorgesetzte in U-Haft sitzt. Richtig so.

Später – nach einer wundervollen Abfahrt und einen klitzekleinen Anstieg – waren wir auf der Nordbahntrasse – und die ist dann auch spektakulär:

Fahrradwege mit Tunnel!



Am Mirker Bahnhof habe ich dann Blicke getauscht mit den bekannten Gesichtern – wobei die Frage „Was machst du denn hier?“ wirklich unübersehbar in ihnen geschrieben stand.

Naja, habe ich also den heiligen Boden einer Fahrrad-Blase Wuppertals betreten, wobei mich die Uniformität der zahlreich abgestellten Lastenräder schon an ein markenspezifisches Auto-Treffen erinnert hat. Früher Opel, heute Bullitt – wer dazu gehören möchte, braucht eben ein solches.
Und so fand ich das KLAK-Kino eine nette Unterhaltung für diese Blase, es war ein Eulen-nach-Athen-Tragen, Filme über Nachhaltigkeit Menschen zu zeigen, die sich ohnehin schon mit dem Thema auseinandergesetzt hatten. Gut, im Nachgang wurde auch jenseits von Facebook auf das Event hingewiesen.
Statt im ewiggleichen Milieu zu fischen, wäre ein solches Event vielleicht mitten in Cronenberg besser aufgehoben gewesen? Oder am Robert-Daum-Platz? Da wo es auch Autofahrende sehen? Oder auf dem Parkplatz irgendwelcher Einkaufsmärkte, die außerhalb liegen?
Vielleicht ist so eine Aktion dann sinnvoller, wenn es früher dunkel wird.

Aufgebocktes Hinterrad mit Generator

10 im Halbkreis vor der Projektionswand platzierte Fahrräder dienten als Generatoren – hoch drehen und dabei nicht vom Fleck kommen – Pedelec mal andersherum

Ich war der einzige, der nach einmal Mitstrampeln zum für die Technik Zuständigem gegangen ist und das von der Vorbemerkung abweichende Farbschema der individuellen Leistungsabgabe je aufgebocktem Fahrrad bei der Haupt-Projektion angemerkt habe. Lag wahrscheinlich daran, dass jemand aus dem KLAK-Team eine angeheiratete Cousine von mir ist, sonst wäre mir auch diese ganze Kino-Nummer komplett am Arsch vorbeigegangen.

Kendal

Links abbiegen erfordert nach 20 m einen sehr kleinen Gang

Ist das die vielbeschworene Infrastruktur, die den Radverkehr nach vorne bringen soll?

Wheelie mit einem Mountainbike

Vergnügen der Dorfjugend auf einem Spielplatz

Fahrraständer in Kendal City Center

Vollauslastung – mit Pedelecs und Mountain Bikes

Willkommen im südlichen Lake District. Noch bin ich dorthin gekommen, ohne ein Visum haben zu müssen – also, wer das neue Museum am Windermere noch anschauen möchte, ohne Visum zu beantragen zu müssen: bis Ende März 2019 ist es wohl auf jeden Fall noch möglich. Also: auf ins Freilicht-Museum Lake District! Nicht so ein kleines, wie das hinter Hagen, Lake District ist ein ganzer Landstrich mit eingefrorener Infrastruktur. Das hat Auswirkungen auf den Überlandverkehr – Wenn zu beiden Seiten die Fahrbahneinfassung jahrhundertealte Steinmauern sind, macht das Radfahren besonders viel Laune – wenn die Wegführung mal explizit für Radverkehr hinter der Mauer ist – sonst darf zwischen SUV und LKW mit traffic jam vom Feinsten gerechnet werden. Begegnungsverkehr ist nervig bei der Verkehrsdichte – und die ist ganz erheblich. Dazu kommt, dass in der letzten Zeit die Autos in die Breite gewachsen sind und ganz gewiss nicht die Straßen im Lake District.

Nunja, die aufgemalten Flächen auf den Fahrbahnen im Stadtkern haben nicht zu einem Run auf die Fahrräder im Alltag geführt. Auch mit unterstützender Plakat-Werbung tat sich da wenig.

Der Charakter des Freilichtmuseums wird noch dadurch unterstützt, dass Touristen aus aller Herrn Ländern die Ausflugsboote, Dampfzüge und Burgen besetzen. Der Keim dieses konservativen Landschaftsbildes ist in einem Hasen zu suchen. Die Erfinderin von Peter Rabbit ist gleichzeitig die Gründerin des Denkmalschutzes auf der Insel und liebte ihren Landstrich so wie er war. Also konservativ gerne, aber schade, dass die englischen Autos nicht weithin so schmal geblieben sind.

Ach so: und ich glaube, ich habe den Regenwald der gemäßigten Breiten gefunden – also kein Wunder, dass das Lake District heißt. Keine Regenkleidung mitzunehmen ist eine sträfliche Unterlassung – oder einfach blöd – genauso wie in Wuppertal.

Neue Freigaben für den Radverkehr in 2017/18

Klick auf die Titel um die Overlays auf der Karte sichtbar zu machen

ODW: alle Einbahnstraßen Wuppertals
ODW: in Gegenrichtung für Radverkehr freigegebene Einbahnstraßen 2016
ODW: in Gegenrichtung für Radverkehr freigegebene Einbahnstraßen 2018
Generiere den Link zur Karte mit ausgewählten Overlays und angezeigtem Ausschnitt

Puuh, da habe ich lange suchen müssen, bis ich die beiden neuen Freigaben gefunden hatte. Bitte die Ebenen abwechselnd de-/aktivieren, damit es augenscheinlicher wird. Es sind laut dieser Datengrundlage die einzigen.
Die Pfalzgrafenstrasse ist ebenfalls schon für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben – seit mindestens 2016. Alle radfahrrelevanten Datensätze im Überblick (Stand 2016).

Datenquelle: CC‐BY‐4.0 ‐ Stadt Wuppertal ‐ offenedaten‐wuppertal.de

Sackgassenbeschilderung

Großer LKW in Einfahrt

Ein 40-Tonner kann immerhin da hinten wenden – die Sackgasse soll angeblich nicht für zu Fuß Gehende und Radfahrende gelten – Zeichen 357-50

Wendehammer Tiergartenstraße

Im Wendehammer – der immerhin nicht durch parkende Fahrzeuge blockiert ist, sehe ich für Räder kein Weiterkommen

Treppe ohne Schiebehilfen

Aber eine Treppe hoch zum unausgebauten Teil der Sambatrasse

In Wuppertal wird viel vorweg genommen – zum Beispiel bei der Beschilderung. Da meine Neugier quasi unbefriedigbar ist, habe ich mal wieder eine Variation auf meinem Weg zur Arbeit ausprobiert. Das Schild mit der Durchfahrtsmöglichkeit für Fahrräder am „Ende“ der Sackgasse lockte mich in diese Sackgasse.

Die sich tatsächlich als Sackgasse für Fahrräder entpuppte. Oder sind jetzt Treppen geeignete Wege für ein normales Fahrrad? Lästigerweise wurde nicht einmal eine Schiebehilfe montiert. Gut, so schwer und unhandlich ist mein Fahrrad nicht, dass ich es mir nicht unter den Arm klemmen könnte – und ich landete nach kurzem Aufstieg auf den Schienen der Sambatrasse – auf dem stillgelegten, aber unausgebauten Teil der Trasse. Ein bisschen durch das Gebüsch geschlagen und ich landete auf dem Schwarzen Weg. Ok, spare ich mir den Arrenberg mit seinen Sehenswürdigkeiten.

Nun aber zur Vorwegnahme – ist es geplant, die Sambatrasse hier schon anfangen zu lassen? Immerhin wurde ja schon auf der 2. Veranstaltung des Radverkehrskonzept 356 km Radverkehrsnetz ausgewiesen. Hinterfragt eigentlich irgendwer mal diese Zahl? Wenn diese Karte Grundlage war, dann ist sie schlicht zu hoch gegriffen.

Und die Bereitstellung der Kartendaten lässt weiter auf sich warten, obwohl ich sie direkt auf der Veranstaltung noch beim Oberbürgermeister und seiner Fachreferentin angefragt hatte.

Zunahme des Wuppertaler Radverkehrs 2

Ein Fahrrad und 5 Mopeds an einem Fahrradständer

Vor 2 Jahren sah ich noch kein Fahrrad an diesem P+R-Ständer. Jetzt das erste Mal!

3 Fahrräder

Wer mir auf Twitter folgt, kennt den Ständer schon. Ich hoffe doch, dass die Besitzer noch deutlich bessere Fahrräder ihr eigen nennen – und nicht nur diesen Baumarkt-Bahnhofsrad-Schrott, der gerne im Regen stehen bleiben kann. – Ach so, inzwischen fehlt bei dem Gelben der Sattel.

Ich erinnere mich an 1992 – eine Werbekampgne in Leipzig mit dem Slogan „Leipzig kommt!“. So fühlt sich für mich die „Stadt des Umweltverbundes“ an. „Leipzig kommt“ hat jetzt immerhin auch ein Vierteljahrhundert gedauert und war unabhängig von der Kampagne, sondern ein Kind der Zeit, in der Verstädterung ein Mega-Trend ist. Ressourcenschonende Mobilität ist auch ein Mega-Trend. Weckt mich 2040.