Herren- oder besitzloses Gut?

Fahrrad angeschlossen an Handlauf

Steht da doof, wenn jemand mit einem Kinderwagen von oben kommt

Oops. Da liegt ja jetzt das Schloss…

Oh, welch ein schönes Motiv für meinen Blog! Ein Fahrrad, das einen Gehweg blockiert. Nicht nur Radwege werden beklagenswerter Weise zugeparkt. Auch Radfahrer, die ihr Rad ohne viel Hirn abstellen gibt es. Hätte jetzt auch einen Artikel bebildern können, der auf den Mangel von Radabstellanlagen an der Bergischen Universität Wuppertal hinweist – ich bin da inhaltlich flexibel.

Als ich 20 Minuten später wieder daran vorbeiging, habe ich mich doch noch dazu hinreißen lassen, die Stellung etwas zu korrigieren und das Rad etwa 90° gedreht wieder an das Geländer gelehnt. Dabei fiel das Zahlenschloss runter.

Das kannst Du aber so jetzt nicht mehr stehen lassen, sagte mir ein mich begleitender Kollege. Ok, ich also zu der nächst größeren Ansammlung von sitzenden Menschen rein und laut gerufen: Gehört jemandem hier ein schäbbig abgestelltes CONWAY-Fahrrad? Nö.

Gut, Fundbüro ist mittags zu, also habe ich das Rad mit in mein Büro genommen. Schnell wieder runter gelaufen und einen Zettel mit Verweis auf meine Raumnummer an das Geländer geklebt.

Der Nachmittag verstrich, der nächste Morgen, keiner wollte das Rad abholen. War es selbst geklaut, dass es keiner haben wollte? Also Fund-Anzeige zur Polizei raus, Seriennummer und Foto des Rades als Anlage, und mich schon heimlich auf den Moment in 6 Monaten gefreut, wenn die Sache in meinen Besitz übergegangen wäre – wenn nicht doch noch jemand kleinlaut angekommen wäre und meinte, dass es sein Rad sei. Er hätte es am Abend zuvor dort im Dunkeln abgestellt und anschließend vergessen, dass er mit dem Fahrrad zur Uni gekommen sei. Ist ja auch ganz schön unwahrscheinlich gewesen.

Berlin

Fahrradabstellbox

Running gag in meinem Blog, seit einer mal über „diese bescheuerte Düsseldorfer-ADFC-Idee“ geschimpft hatte, als es um die Errichtung von Fahrradgaragen ging

Volksentscheid Rad – das ist das Erste, das mir in den Sinn kommt, wenn ich an Fahrradfahren in Berlin denke. Und, wo ich da war, direkt sage: Ja, in Berlin wird Rad gefahren. Und wenn die Fahrradstadt werden wollen, dann sind sie da nicht so weit entfernt, das ist realistisch.

Fahhradfahrer überqueren auf Fahrradfurt

Berlin hat einen formidablen Modalsplit – mit nur 33% MIV (Wuppertal 65%)

Mann sitzt im Berliner Hinterhof vor Fahrrad

So schön: Hinterhof-Idylle: meditative Fahrradbeschraubung

Wuppertal.

Ich lass das mal so stehen. Berlin hat Endmoränen-Charakter. Das heißt, in der Eiszeit wurde die Fläche von mehreren Gletschern so glatt gelutscht, dass Höhenmeter keine bekannte Einheit für Radfahrende in Berlin ist. Da brauche ich keine Skipisten-Deklaration auf beliebigen Straßen.

Was mir im Gegensatz zu Münster auffiel war, dass keine Schrotträder rumstanden. Das taten sie auch in München nicht, aber ich nehme an, dass die Entsorgung von abgestellten Fahrrädern privat und illegal organisiert wird. So hat jeder was davon. Ich nicht, ich habe mich mal wieder nicht auf Leihrädern für 10€ pro Tag, oder mit dem LIDL-Bike sondern mit der U-Bahn fortbewegt. Da hab ich festgestellt, dass es schon cool ist, wenn man ein Fahrrad mit Platten einfach so durch die Stadt bewegen kann und nicht auf die Hilfe anderer angewiesen ist.

Aber macht nicht grade die direkte Interaktion mit anderen den Reiz des Radfahrens aus?

Sicherheitspolster durch Pistolenholster

Die Aufenthaltsqualität auf Wuppertals Straßen sei im eigenen Auto am höchsten.* – Nur, was ist zu tun, wenn ein Auto nicht im eigenen Besitz ist?

Wie kommt man morgens im Berufsverkehr unbeschadet von einer Talflanke zur anderen – ohne Seilbahn? Nun wäre dieser Blog kein Blog, der sich um das Thema Pedelec dreht, wenn ein Pedelec nicht letztendlich dann das Mittel der Wahl desjenigen geworden wäre, dessen Erfahrungen ich hier teilen möchte.

Nach Anschaffung eines Pedelecs und den Erfahrungen der ersten Wochen Talfahrt wurde über die nächste Eskalationsstufe der gesicherten Talquerung geflachst: Ein Schützenpanzer müsse her. Mit Goldketten für den starken Auftritt auf der Gathe und Hochstraße. Wobei, für die Anschaffung eines kleinen Panzers in Form eines „Standard“-Kfz haben sich ja schon sehr viele Wuppertaler entschieden.

Diese Wuppertaler fahren mit ihren Autos nicht immer STVO-konform, derjenige, dem hier das alles so auf den Zeiger ging, dass er zu recht drastischen Mittel gegriffen hat, schon.

Etwa bei der fünften brenzligen Situation mit quietschenden Reifen, gereckten Fäusten, lauten Stimmen und fliegender Spucke, wurde  ein Autofahrer sogar handgreiflich. Um sich nicht wieder schlagen lassen zu müssen, wurde die Eskalationsspirale weitergedreht und bei der Polizei ein kleiner Waffenschein beantragt.

Puh, dachte ich, starker Tobak. Aber die Spirale wird sich noch munter weiter drehen –

Inzwischen war das Vorderrad durch eine genommene Vorfahrt unbrauchbar geworden – so wie schon einmal die Ladung auf dem Gepäckträger durch das absichtliche Rammen eines anderen Blechpanzers zuvor – und diesmal entstand sogar ein Schaden statt von 100€ etwa von 300€ auf denen er sitzen blieb, da beide Fahrer Fahrerflucht begingen.

Nun war also der Waffenschein genehmigt worden und die Waffe gekauft – nur wo trägt man so ein Dingen? Mir war das schleierhaft, aber ein bisschen im Internet gegründelt und für die erstandene, genehmigte Pistole wurde ein dick auftragendes Holster für das Tragen an der Hüfte gekauft.

Der Effekt war verblüffend, drastisch, umhauend. Könnte auch noch mit dem dazu erstandenen Marine-Pullover zu tun haben, der, wenn jemand wieder drängelte, kurz gelupft wurde und der Blick auf den Holster frei wurde…

Im weiten Abstand überholt – auf Vorfahrt verzichtet – nie mehr geschnitten. Autofahrer scheinen die Ausbeulung schon von Weitem zu sehen.

Ich denke, dass man das so machen kann. Für mich möchte ich das aber nicht. Entweder weil ich nicht auf so heißem Terrain fahre, mein Kiez ist da deutlich verschnarchter, oder ich mich daran gewöhnt habe, geschnitten oder bedrängt zu werden. Wenn ich allerdings Vorfahrt habe, fahre ich aber durchaus robust in eine solche Situation rein – genau wissend, dass eine solche Situation auch anders ausgehen kann. Andererseits habe ich mit Kindersitz (mit oder ohne Kind) möglicher Weise auch eine andere Präsenz auf der Fahrbahn.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich einen Helm beim Radfahren in Wuppertal trage – oder, wie mir meine Nachbarin sagt, etwas verkniffen gucken würde beim Radfahren. Oder, dass ich beim Schulterblick den Kopf immer ganz rumdrehe, da ich eine Brille trage – wer weiß … bisher hat nur einmal jemand aus dem Gegenverkehr getestet, ob sein Fahrer-Außenspiegel stabiler ist als mein linkes Hörnchen (Nein) und beging dann Fahrerflucht.

Manch ein Wuppertaler Radfahrer trägt auch demonstrativ eine Kamera auf seinem Helm – eine gewisse Wirkung auf die Umgebung kann auch ich bestätigen.

Ob nun der Holster mit Inhalt immer noch öffentlich getragen wird, vermag ich nicht zu sagen, das letzte Mal, als ich mich mit dem Menschen darüber unterhielt, meinte er, ok, in der City das zu tragen sei nervig. Er hatte für 2 km 45 Minuten gebraucht, weil ihn wirklich jede Polizeistreife angehalten und kontrolliert hätte. Die Beamten hätten versucht ihm Amtsanmaßung zu unterstellen und einmal sei er dabei auch mit gezogener Dienstwaffe gestoppt worden. Die Jungs seien echt nervös.

Die Mindermotorisierten

motorroller_mit_anhanger_und_gepaecktaschen

Irgendwie fand ich die Teile eher einem Fahrrad zugehörig …

/roller_mit_angehangenen_anhaenger_und_merceds-heck_top-case

… hier ist ein rollerspezifisches Top-Case drauf …

Motorroller mit großem Anhänger

… und dieser Selbstbau ist wohl groß genug, dass kein Top-Case notwendig ist.

Immer wenn in Wuppertaler Polizeiberichten wieder von einem Unfall mit einem Roller berichtet wurde, dachte ich spontan eher an Tretroller, als an einen Motorroller.
Inzwischen denke ich, wenn ich bei Vorträgen auf Diagrammen zu einem Modalsplit „Scooter/ Roller“ lese, eher an die motorisierte Variante. Wuppertal wirkt.
Was ich faszinierend an den Anhänger-Motorroller-Kombinationen hier in Wuppertal finde ist, dass eigentlich solche Anhänger im Flachland an ein Fahrrad angehängt werden.
Diese Gespanne sind auf der Hipster-Skala des autofreien Lastentransports die Nulllinie. Das andere Ende sind hier über 6.000€ teure vollgefederte Riese-Müller Lastenräder mit Rohloff-Schaltung. Sich ein großes, oder wohlmöglich noch dreirädriges Lastenrad, ohne tägliches Nutzungsszenario hier für die nächsten 5-6 Jahre anzuschaffen, ist Overkill. Diese fahrradgewordenen SUVs bei denen der Distinktionsgewinn so geil ist, dass es eine Persönlichkeit, also einen Namen bekommt, gehen zum Bewerben alternativer Mobilitätsformen an der Realität vieler Wuppertaler vorbei. Preiswerte Motorroller sind zum Beispiel für Schichtarbeiter hier einfach das Mittel der Wahl. Dass diese Wahl vielfach getroffen wird, sehe ich daran, dass ich eher abgestellte Roller mit Hänger am Straßenrand sehe, als ein Lastenrad – sei es mit oder ohne elektrischer Unterstützung.
Die magere Motorleistung ist sowohl den elektrisch Unterstützten wie den Rollern  gemeinsam – und wer sich so von der Motorisierung her so unterlegen fühlt, benimmt sich auch manchmal wie ein Radfahrer.

löchriges Felgenband

Blick in Felgenbett

Geplatztes(?) – auf jeden Fall beschädigtes Felgenband

Erhebung auf Gummiband mit Loch

Ausbeulung – ausgedehnte Elastizität – ist das dann Plastizität?

Felgenbett mit eingeklebten Gewebeklebband

Gewebeklebeband als Ersatz

Und ich dachte, mir wäre schon alles einmal kaputt gegangen und ich hätte schon alles gesehen und alles geflickt.

Mitnichten. Ich hatte das Rolektro fertig gemacht und es bis zum Übergabezeitpunkt abgestellt, bis ich darauf hingewiesen wurde, dass, wenn ich es verschenken wollte, ich es noch flicken müsse, das Hinterrad sei platt.

Na toll. Also wieder ausgebaut und nach dem Loch gesucht. War es wieder das Ventil? Auf den ersten Blick schien es mir so, da es beim Ventil sich so anhörte. Aber es war nicht das Ventil und auch nichts Spitzes durch die Lauffläche – es war ein geplatzes Felgenband und das Loch auf der Innenseite des Schlauches direkt neben dem Ventil.

An Fahrrädern läßt sich in der Produktion scheinbar überall noch etwas sparen – oder sind etwa 4bar Innendruck für ein Laufrad zu viel?!

Da ich grade kein heiles 26″-Felgenband zur Hand hatte, habe ich das Felgenbett mit Klebeband, das faserverstärkt ist, beklebt. Dabei war ich richtig stolz auf mich, dass ich bei der Längsteilung des Bandes die richtige Länge (etwa 1,5m) auf Anhieb gerissen hatte.

Solch kleine Glückmomente gibt es beim Fahrradschrauben 😉