Freidrehender Freilauf

Was ist an dem Filmchen so interessant? Nun – es fällt einfach nicht sofort auf und gehört für mich in die Kategorie „kann eigentlich gar nicht sein“. Die Kurbel dreht sich in korrekter Drehrichtung, nur der Kraftschluss zwischen Ritzel und Nabe ist nicht mehr gegeben. Das geht nicht auf einen Schlag, sondern fängt damit an, dass die Kette oben durchhängt, wenn nicht mehr getrampelt wird, geht dann aber recht fix innerhalb von zwei – drei Tagen .. also innerhalb von 100 km… kaputt. Wenn kein Kraftschluss mehr besteht, kann entweder ein Filmchen davon gemacht werden, oder solange vor- und zurück gedreht werden, dass wieder Kraftschluss entsteht – bis zum nächsten Mal, an dem der Freilauf eingesetzt hätte. Ich also zu Hans-Arnold: „Hans-Arnold, ich brauch ne neue Nabe – Hinterrad, Cassette, Scheibenbremse Center-Lock.“ Hatte er nicht da, Pedalero auch nicht, sein Kumpel in Wülfrath auch nicht – also müsste er bestellen. Ich meinte zu ihm: „Wenn Du schon bestellst, dann bestell mir doch bitte ein ganzes Hinterrad, mit neuer Nabe, Speichen und Felge! Die Felge hat ja einen kleinen Höhenschlag“ – „Na, ich wechsel dir nur die Nabe, das ist billiger – da sparst du 10 EUR“ – Nachhaltiger ist es keine neue Felge und Speichen zu kaufen und ihn die Umspeicherei machen zu lassen – trotzdem habe ich bei ihm ein neues Rad bestellt. Am Abend rief er noch mal an, er hätte eine Nabe gefunden, die entspräche dem, was ich haben wollte, und er würde mir die tauschen, dann hätte ich es auch schneller.

Ok, getauscht … und na? Kein Wunder, dass die Nabe bei ihm rumflog, sie war auch schon angekaut und der Freilauf ging sofort weiter kaputt – also etwa in dem Status 40% kaputt  eingebaut – dass heißt noch feinfühligere Menschen können den Schaden noch früher merken als ich. Die Nabe hat keine drei Tage gehalten.

Er hat dann ein komplett neues Rad bestellt – für die nächsten 50.000 km.

Hinterrad auf einem Vorderrad-Gepäckträger

Fabrikneues Hinterrad auf dem Gepäckträger der Mighty Mint

Holz am Fahrrad

Anhängerkupplung auf Gepäckträger

Eichen-Adapter, weil die Sattelklemmschraube dieses Rad zu tief unterhalb des Gepäckträgers wäre

Elektrolastenrad mit Holzkiste

Kurzes Lastenrad mit Holzkiste vor dem Lenker – „Extended Bäckerrad“

Holzlatten in für mich nicht nachvollziehbarer Anordnung

Holzlatten in für mich nicht nachvollziehbarer Anordnung

Holz als Werkstoff ist eigentlich zu schwer für „das Fahrrad“. Zum Glück gibt es zu dem Gewichtsfetischismus endlich einen Gegentrend. Es ist egal, wie schwer das Rad ist, da ist ein E-Motor dran, der hilft. Ob ein Kindersarg jetzt das richtige Fahrrad-Accessoire ist, mag ich auch bezweifeln, aber die Kiste aus Multiplexplatten und selbst gefeilten Kanten scheint stabil aber auch schwer zu sein. Zumindestens schwerer als eine vergleichbar große Zarges-Kiste mit Deckel. Mag sich ja jeder dran schrauben, was er mag – ob es nun ein Eichenholzadapter zwischen dem Gepäckträger eines Flyer-Pedelecs und Hebie-Kupplung ist, oder seltsam angeordnete Latten, mit Hilfe derer sich bestimmt etwas sehr unförmiges im Gepäckkorb transportieren lässt. ..

Aber, was rede ich da, es gibt ja auch Initiativen, die aus Holz gleich ganze Lastenräder zusammenschrauben. Wenn ich mir in dem Video da den Nabenmotor im Hinterrad anschaue, denke ich mir auch nur: schau an, ein Pedelec.

Apropos Holz, auf dem Ölberg gibt es seit Ende August ein Fahrradhäuschen das mit Holzlatten verkleidet wurde und in dem mein Rad als erstes hing, als es das noch gar nicht gab. Und der Erbauer erzählte mir Schauergeschichten über den aggressiven Umgang miteinander als Verkehrsteilnehmer auf dem Ölberg. Mit Auto und Anhänger am Schusterplatz aufzukreuzen und dann noch nachhaltig zwei Parkplätze zu vernichten … das ist für die Autofahrer da echt hart.
„Das waren junge Leute, die mich angingen…“, sagte er fassungslos und schüttelte den Kopf.

Freital/ Sachsen

DRR-Kindersitz auf Cruiser

Dieser (vermeindliche DDR-) Kindersitz fiel mir auf

LKW aus FTL auf A1 FR Köln

Noch ein Fahrrad auf einer Pritsche aus Freital/ Sachsen

Auto auf Binnenschiff

Ich kannte bisher nur das eigene Auto auf Binnenschiffen – und hab mich immer schon gefragt, wie die da drauf kommen

Eigentlich wollte ich meine begonnene Reihe „Ständer-Stories“ weiterschreiben. Also über Anbauten an Fahrrädern schreiben, die mir bei Rädern, die ich an Ständern angeschlossen sehe, auffallen. Nun war mir bei dem braun-roten Cruiser der Kindersitz auf dem Oberrohr aufgefallen. Dazu muss ich noch schreiben, dass dieses Rad an der Max-Horkheimer-Straße innerhalb einer Baustelle abgestellt war, und scheinbar einem Bauarbeiter gehört, der die Woche über auf Montage ist. Bei der Suche nach der richtigen Schelle fiel mir auf, dass diese Art des Kindersitzes wohl in der DDR verbreitet war. Ich selbst saß um 1981 auch mal auf einem solchen – und hatte die Füße in den Speichen – aber das ist eine andere Geschichte. Natürlich gibt es den auch aus Holland – aber ich erinnerte mich, dass neben diesem Fahrrad in der Baustelle auch ein Transporter mit einem Kennzeichen aus Freital/ Sachsen stand. Dass Montage-Trupps weit rumkommen, und dass in der Baubranche lange Anfahrtzeiten in Kauf genommen werden, kenne ich aus Ostwestfalen und dem Münsterland. Sobald irgendein spezielleres Gewerk auf dem Zettel steht, sind die Firmen, die sich auf etwas spezialisiert haben, günstiger – es müssen nur längere Anfahrten in Kauf genommen werden. Nun wäre dieses nicht wirklich wuppertaltaugliche Fahrrad nicht einen eigenen Beitrag wert gewesen, wenn ich nicht im Stau am Sonntag-Abend* von der A44 auf die A1 gestanden hätte und auf der linken Spur eine andere Pritsche aus Freital/ Sachsen stand  – mit Fahrrad obenauf!
Das kannte ich bisher nur von Binnenschiffern, dass die ihre eigenen Fahrzeuge auf dem Arbeitsgerät mitführen. Soviel zu Leihfahrzeugen … wer kann, packt sich sein Fahrzeug mit ein, um vor Ort mobil zu sein.

 

*empfehlenswert für Menschen, die an dem Ort geboren sind, an dem sie aufgewachsen sind, wo sie ihren Beruf ausüben und deswegen berufsbedingt nur minimal pendeln müssen, und daher auf alle herabschauen, die in ihrer Stadt nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln, oder überhaupt nicht Fahrrad fahren: Freitag Abend Bahnhof Uelzen
Ein verschlafenes Provinznest, in dem allerdings der Regionalverkehr aus Hamburg endet und der Regionalverkehr nach Magdeburg beginnt. Selten habe ich so volle Bahnen, Bahnsteige, Treppen und Unterführungen erlebt wie beim Umstieg von Hamburg nach Magdeburg. Und das war nur der Anteil temporärer Binnenmigranten, die mit dem Zug fuhren – Hamburgs Strahlkraft aufgrund der dort gezahlten Gehälter ist immens, da wird dann auch Wochenend-Pendelei in Kauf genommen. Erfahrungsgemäß strahlt die sogar bis Wuppertal ;-)

Ziemlich ausgelutschte Kiste zum Spitzenpreis

mit LPG-Anlage und erst zarte 296.590 km auf dem Tacho. Ideal als Gästezimmer oder Erweiterung der häuslichen Abstellkammer im öffentlichen Straßenraum. Erhöhen Sie mit der geringen Investition von nur 400 EUR den Parkdruck auch in Ihrer Nachbarschaft!

Angemeldet und dank der letzten Hauptuntersuchung noch bis Januar 2020 in den meisten innerstädtischen Wohngebieten kostenfrei abstellbar. Im Sommer kühlt die bordeigene Klimaanlage das Raumwunder auf angenehme Temperaturen – im Winter fühlen Sie die Hitze, die nur entstehen kann, wenn aus unwiederbringlicher, fossiler Energie erst kinetische Energie und dann wieder wärmende Luft produziert wird. Nichts wärmt angenehmer den kalten Leib als die in den vorderen Sitzen eingelassenen regelbaren Heizdrähte in Kombination mit frisch gefilterter und von Wasser erwärmter Außenluft.
Dieses Wasser wird in einem verborgenen Kreislauf geführt und erst seit kurzem von einem neu ersetzten Thermostat zum richtigen Zeitpunkt durch die richtigen Kanäle geführt.

Erleben Sie den Blick aus den schräg gestellten Fenstern auch bei Regen! Die frischen Gummilippen an den Scheibenwischern werden auch Ihnen den Blick auf das Kraftfahrzeug vor Ihnen nicht nehmen. Nachdem die Domlager, Stabilisatoren und die vorderen Stoßdämpfer getauscht wurden, können auch Sie die vorgegebene maximale Geschwindigkeit als Richtwert nehmen, um sämtliche Kurven +20 km/h zu fahren.
Die knapp 2 Tonnen Lebendgewicht erscheinen dabei von der satten Motorleistung von 85 kW so agil wie eben möglich, um auch bei schwierigen Straßenverhältnissen wie Fuß- oder 30er-Zone Sie an Ihr Ziel bringen zu können.

Seien Sie fasziniert davon, wie verbraucht ein Innenraum sein kann! Schockieren Sie mit dem lässigen Shabby-Chic Ihre Tinder-Dates und alle, vor denen Sie sozialen Selbstmord begehen wollen!
Sie brauchen das passende Geschenk zum 18ten für den ungeliebten Sohn Ihrer Ex-Frau? Überraschen Sie Ihn mit dieser automobilen Zumutung ohne Endtopf!
Der Stoffhimmel hängt wie Mammatus-Wolken über Ihnen und die 5 hinteren und einzelnd wegwerfbaren Sitze weisen ein Fleckmuster auf, das jeden gut getarnten Infantristen vor Neid erblassen lassen wird. Die dysfunktionalen Klappen im Armaturenbrett wurden mit
Gewebeklebeband für eine gute Fahrt auf allen Straßen fixiert.

Welcher Motorraum kann schon von sich behaupten Wohnstätte für einen echten Steinmarder gewesen zu sein? Im letzen TÜV-Bericht wurde Ölfeuchte attestiert, aber selbst diese hat das possierliche Kerlchen nicht davon abhalten können seine Heimstatt auch in diesem Fahrzeug zu finden.
Allerdings sind die Manschetten der Servolenkung jetzt ebenfalls undicht geworden, so dass jeder Zeit mit einem Ausfall dieses Systems gerechnet werden muss. Erfahrene Autolenker wie Sie werden die Kleinigkeit mit einem wissenden Lächeln quittieren. Nur die Harten kommen in den Garten.

Die bizarre Beklebung der Außenhaut lässt auch Sie jeder Zeit dieses Fahrzeug in der Monotonie großer Supermarkt-Parkplätzen wiederfinden und hilft Ihnen immer ein Gesprächsanlass mit anderen Menschen zu finden. Ja, die Zähnräder vorne an der Fahrertür können sich so nicht drehen!

Sie stören sich an Rissen in Lampengehäusen in oder Schnitten in Sitzen? An fehlenden oder klappernden Plastikverkleidungen? Seien Sie nicht so kleinkariert, sondern öffnen Sie Ihren Geist machen Sie sich bewusst, dass jede Delle im Blech, jeder Schrappen im Lack seine eigene automobile Geschichte erzählt.

Lernen Sie für sich den Begriff „Ranz“ neu zu definieren. Kaufen Sie dieses Auto. Jetzt!

 

Nachtrag – 14 Stunden nach Veröffentlichung dieses Textes

Wiesbaden

Fahrradstraße quert Ringstraße

Infrastruktur nicht erst seit gestern.

Abgestellte Fahrräder auf dem Bahnhofsvorplatz Wiesbaden

Bahnhofsvorplatz mit deutlich mehr Stellfläche als in Wuppertal – gibt trotzdem zu wenige Fahrradbügel

Mietrad der Stadtwerke Wiesbaden

Auf diesem Gepäckträger möchte keine Person mitgenommen werden

Wiesbaden ist beim ADFC-Klimatest immer auf den hinteren Plätzen. Liebe Wiesbadener – kommt mal nach Wuppertal, vielleicht ist Wiesbaden dann nicht mehr ganz so schlecht.

Als ich mich nach öffentlichen Verleihsystemen für Pedelecs kündig machte – so um 2012 – gab es von der Deutschen Bahn ein Angebot in Wiesbaden. Aber durch die beginnende Marktsättigung mit Pedelecs schließen ja auch bei anderen Anbietern schon die ersten Stationen wieder.

Als ich nun durch Wiesbaden schlenderte – denn schneller kann ich mich mit kleinen Kindern im Schlepp nicht bewegen – fiel mir auf:

1.) die von den Stadtwerken angebotenen Leihfahrräder werden tatsächlich genutzt
2.) sich als Familie ohne eigenes Auto durch eine Stadt zu bewegen ist mindestens selten, wenn nicht ganz und gar ungewöhnlich. Eigentlich hat man in einem Bürgerkäfig zu sitzen – zumindestens in meiner sozialen Schicht.
3.) es gibt zu wenige Fahrradabstellbügel, auch wenn diese vom Design her im einzelnen ganz chic sind und nach zuviel Geld im Landeshauptstadtsäckel riechen –
4.) Wiesbaden hat im Gegensatz zu Wuppertal noch eine Bergbahn und im Kletterwald Seilbahnen – die allerdings nicht barrierefrei sind. Apropos Seilbahn –
ich bin gespannt, ob die Website „Seilbahn2025“ noch vor 2025 abgeschaltet wird.

3D-Druck

Fast wie eine Spritzgussform - 3D-Druck in Kreditkartenformat

Mehr so zweidimensional aus dem 3D-Drucker

Entgratet und bemaltes Filament

Entgratet und bemalt

Modell eines Fahrrades

Zusammengesteckt und ergänzt mit „Motor“ und „Akku“

Mein Kollege beglückte mich neulich mit einem Ausdruck seines neuen 3D-Druckers. Er fand die Ursprungsform bei Thingiverse und tauschte die japanischen Schriftzeichen gegen meine Blog-URL. Er benutzte dafür tinkercad um die .stl-Dateien online zu manipulieren. Für die offline-Betrachtung eignet sich dieses Programm. Da kann auch 30 Tage in der Vollversion herumgespielt werden, aber ich habe es in dem Zeitraum nicht geschafft, mich damit so weit auseinanderzusetzen, dass ich die Grundformen vereinen oder voneinander abziehen konnte. Für die Ritzel als Vektorgrafiken muss ich wohl mehr Zeit gehabt haben…

Ich habe in meinem beschaulichen Leben im Übrigen noch nichts gefunden, dass für das ich Kunststoff-Filament hätte erhitzen und in engen Schleifen übereinander hätte gießen müssen. Obwohl ich gerne bastele ist vermutlich mein Satisfizierungsniveau bezüglich „Form“ eher unterentwickelt. Statt Klebeband zu benutzen hätte ich mir auch bestimmt eine Außenhülle für meinen Controller am Rad ausdrucken können. Oder aus Birkensperrholz mir eine Kiste zurechtsägen und lackieren können, aber die Verwendung von Holz am Fahrrad bekommt noch einen eigenen Artikel ;-)

Nachdem ich die Bausatzeinzelteile aus dem visitenkartengroßen Rahmen herausgelöst und mit White-Board-Markern Farbe auf das erstarrte Filament aufgetragen hatte, muss ich sagen: Dank der Lenkerform kommt das Modell dem Aussehen meines aktuellen Rad-Zustandes recht nah.