Spinnen und Fliegen

Leises Reifenprofil

Leises Reifenprofil – Schwalbe Marathon

Lautes Reifenprofil mit Stollen und Spikes

Lautes Reifenprofil mit Stollen und Spikes

Notwendigkeit für Stollen

Notwendigkeit für Stollen

Ich denke, dass mehr Menschen vor Spinnen als vor Fliegen Angst haben.

Ohne Experte für Arachnophobie zu sein, kann ich mir vorstellen, dass das Unangenehmste an Spinnen ihre plötzliche Anwesenheit ist.

Grade noch weiße Wand – beim nächsten Mal Hinschauen – ist da ein schwarzer Fleck.

Eine Fliege hingegen nervt mich durch ihr Gebrummsel. Gibt damit aber auch immer ihren Standort bekannt und im besten Fall die Flugbahn, in der sie fangbar ist.

Spinnen – nichts – kein Geräusch.

Fliegen geben mir die Möglichkeit in die Zukunft zu schauen – im nächsten Augenblick ist sie an einem für mich abschätzbaren Ort.

Im Straßenverkehr ist das genauso:
Wer sich nicht sichtbar, aber mit Geräusch-Emission nähert, ist berechenbar mit seiner potentiellen zukünftigen Position.

Fahre ich mit leisem Reifenprofil, irritiere ich Mitmenschen schon bei gewöhnlichen Überholmanövern.

Die Gegenprobe habe ich jetzt mehr oder weniger unfreiwillig gemacht. Beim ersten Schneefall habe ich mir Spikes draufgezogen und weil da nicht nur Spikes, sondern auch Stollen drauf sind, die mich im Matsch weiterbringen, aufgezogen gelassen.
Das  Abrollgeräusch ist wie abziehendes Klebeband. Und siehe da: es gibt sogar zu Fuß Gehende, die sich, bevor ich sie passiert habe, nach mir umschauen!
Das ist mir mit meinem normalen Profil noch nie passiert. Dazu Zweierlei:

  1. ich mag kein Klappern, Schleifen oder Quietschen
  2. ich fahre gerne mit geringem Rollwiderstand – also üblicher Weise prallgefüllten Reifen mit glattem Profil – die bergab etwa 15 km/h mehr Endgeschwindigkeit erlauben
    (Gut, das tut die StVo innerstädtisch nicht, aber es gibt unterschiedliche Endgeschwindigkeiten je nach verwendeten Reifen und Reifendruck
    Größenordnung: 55 – 70 km/h)

Das ist dann Radfahren im ‚Spinnen‘-Modus. Andere Fahrzeuge sind auch im ‚Spinnen‘-Modus unterwegs.

Der ‚Spinnen‘-Modus ist für mich angenehm, für andere nicht – nur, was tun?

Die ganze Zeit Lieder pfeifen? Geräuschvoll schalten? Hüsteln, Räuspern – Klingeln?
Ich habe das mal probeweise getan, geklingelt – da springen die Angeklingelten im Quadrat!

„Entschuldigen Sie, Sie sind hier auf einem Weg unterwegs, den ich auch gerne nutze. Da zwischen unseren Fortbewegungsgeschwindigkeiten in die gleiche Richtung ein nicht unerheblicher Unterschied besteht, würden Sie bitten, etwas zur Seite treten und mich vorbeizulassen?!“ – zu lang. „Platz da“ – den Ton nicht ganz treffend.

Das Trotify ist leider zu leise – bei relevanten Geschwindigkeiten. Und Scheibenbremsen quietschen nicht so demonstrativ laut wie feuchte Felgenbremsen … Beim Tandem ist das weniger ein Problem, es kommen zwei sich unterhaltende Personen von hinten an, aber Selbstgespräche führen, damit andere einen wahrnehmen …

… tja, die anderen, vielleicht sollten die sich doch mal an eine Zunahme des Radverkehrs (und der Elektro-Fahrzeuge) gewöhnen – auch in Wuppertal.

Oder ich binde mir Dosen hinten dran. Andere Zeiten – andere Lösungen…

 

Gibt es einen Fachbegriff für die Angst vor Fliegen?

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