Interview Hans-Arnold (66)

Produktpalette von Velo-V

Velo-V Bahnrennrad und Liege-3-Rad

Wie bist Du dazu gekommen, dieses Solarmobil zu bauen?

Du weißt, dass ich früher Rennen gefahren habe? Von ’63 bis ’69 beim BDR. Viele Rennen bin ich gefahren, Tour der Jugend, und dann Trainingslager in Südfrankreich und Mallorca, Bergrennen, Rundstreckenrennen und machmal gab es bei der Siegerehrung in der Kneipe noch zwei Reifen oder einen Lenker.
14 Tage vor dem Lauf, bei dem ich deutscher Meister hätte werden können, foult mich ein Teamkollege. Verletzungsbedingt konnte ich dann nicht teilnehmen.

Danach bin ich nach Berlin gegangen und habe da Anfang der 80iger begonnen, Liegeräder zu entwerfen. Den Ausschlag hatte ein Dreirad in den USA gegeben: Wir Rennfahren denken wir sind schnell, und dann kommen die mit nem Dreirad um die Ecke. 94,7 km/h! Vector.
Die Amis haben das Modell dann verkauft – $10.000. Ich hatte Technischer Zeichner gelernt, und hab erstmal selber eines gezeichnet und mir die Rohre bei einem Großhändler in Spandau besorgt.
Die Ersten habe ich mir dann von einem Klempner autogen zusammengeschweißen lassen. Im Dunkeln abends durch Berlin, ich wollte ja ein Patent darauf anmelden und musste das geheim halten. Da bin ich mit Nabenschaltung und Ballonreifen laut Tacho mit 65-70 km/h die Kantstrasse auf dem Dreirad runter!
Auf Ballonreifen! Danach habe ich eines gebaut mit Schlauchreifen (20″ vorne 24″ hinten) – da habe ich in Nümbrecht in der Klasse ohne Verkleidung mit einem 3-Gang 59 km/h in der Ebene gefahren (mit Lichtschranken gemessen) und den 2. oder 3. Platz gemacht.


Dann habe ich jemanden gesucht, der in Kleinserie mir meine Entwürfe zusammenlötet. Gab es aber nicht. So konnte ich die Liegeräder, die ich in Nürnberg auf der iENA  vorgestellt habe gar nicht produzieren lassen. Wer macht schon 20-30 Stück? Ich hab letztendlich nur 8-10 selber herstellen können und musste Aufträge wieder stornieren. Die Aufträge kamen aus Canada, Schottland, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden.

Hast Du nicht selber gelötet?

Dafür hatte ich jemanden gefunden, der war Werkzeugmacher, hat aber Theaterbühnenbeleuchtung gemacht. Er hat gesagt, dass er mir die Sachen lötet. So bin ich nach Wipperfürth zu ihm gekommen. Ich hab ihm über die Woche die ganzen Rohre abgelängt und die Enden auf Gehrung gesägt und gefeilt, er hat dann am Wochenende alles zusammengelötet. Das Lot enthielt leider zu viel Silber, dann ist das bei den verkauften Fahrzeugen wieder auseinandergegangen. Bis wir die richtige Mischung hatten, hat es gedauert. Einmal musste ich an den Starnberger See liefern und das möglichst schnell, aber er hatte auch einen drängenden Auftrag und dann hab ich gesagt, gut, ich helf dir bei deinem und danach du wieder bei mir. Er war aber nach der gemeinsam gearbeiteten Woche so platt, dass er keine Lust mehr hatte und meinte, wo ich doch alles schon so super vorbereitet hätte, könnte ich auch selber löten.

Und dann bist Du nach Wuppertal gegangen?

Mit dem Gerald zusammen hab ich den Laden hier in der Alsenstraße eröffnet. Gerald kommt auch noch manchmal als Kunde. Zwei hat der Laden nicht getragen und er hat als Dipl.-Ing., der als wir uns kennenlernten arbeitslos war, noch ein Studium draufgesattelt und ist Berufsschullehrer geworden. Hier im Laden gibt es breite Schiebetüren, damit die Liegedreiräder durchpassen. Damals haben wir mit den Liegeradfahrer Touren gefahren, die Niederländer haben ja auch viele Veranstaltungen gemacht und uns eingeladen.
Ende April 1986 war ich mit den Liegerädern in Bayern auf einer Ausfahrt und wir kamen in Regen. Weißt ja, was da war –

Tschernobyl… Wer war jetzt Gerald?

Der kam eines Abends beim Dröppelken vorbei und hat den Wirt gefragt, ob er wen wüßte, der ihm ein Fahrzeuggutachten zu seinem verunfallten Fahrrad schreibt. Da hat Willi auf mich gezeigt. Daraus hat sich das ergeben.

Ok, Axel…

Der war auch Stammgast im Dröppelken, ich hab ihn immer „Axel Physiker“ genannt. Wir haben aber nicht nur das Solarmobil zusammen gebaut, wir haben auch zusammen Fahrradtouren gemacht, mit dem Vorläufermodell von deinem Blauen. Da hatte ich alles Gepäck drauf, Schlafsäcke, Zelt, Kocher und er dann mit einer Liege.
Mit dem Gelb-Weissen, dass vorne noch im Laden steht, ist er in den 90igern Rennen gefahren. Die Dinger fahren ja so 70, 80 Sachen.
Ich würde es Dir verkaufen!

Oh, dann fang ich gleich mal an zu sparen…bloss wodrauf?

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