WTF: 9 Leute in einem Golf2?

Ja, ich unterstütze das Vorhaben Seilbahn in Wuppertal – und das mit einem Testimonial, das eine kognitive Dissonanz erzeugen soll. Vielen Dank, wenn Du deswegen Google angeworfen hast – und herzlich Willkommen in dieser Ecke des Internets.

Tatsächlich musste ich die Strecke, auf der die Seilbahn jetzt projektiert ist, in den Jahren 1993 bis 1996 mehrmals in der Woche in der Schulzeit als Schüler pendeln. Die Schule, an der ich angemeldet war, das WDG, kooperierte mit dem CFG am Schulzentrum Süd (vulgo: das Süd). Es wurden für die Klassenstufen 11 – 13 Leistungskurse in Kooperation angeboten. Das hieß, dass Schüler vom WDG zum CFG und andere vom CFG zum WDG pendeln durften.
Ich habe keine Ahnung unter welchen politischen Vorzeichen diese Kurse eingeführt wurden, sie ermöglichten der relativ kleinen Jahrgangsstufe (am WDG ~65 Personen) eine etwas größere Kursauswahl … zum Preis des Pendelns mit dem ÖPNV.

Der damalig nutzbare ÖPNV bestand aus den Linien 615, 645 und 603 (so weit ich mich erinnere) und brauchte für die Fahrt von der Haltestelle Stadthalle bis zum Schulzentrum Süd etwa solange, wie eine große Pause zwischen den Schulstunden lang war.
Für die Stundenplaner war es nicht möglich gewesen, alle Leistungskurse auf Randtermine zu legen, so dass es Tage gab, in denen beide große Pausen im Bus verbracht wurden.
Damals gab es noch die bescheuerte Einbahnstraßenregelung rund um das Kleeblatt, und die Busse wurden natürlich auch von den Studierenden an der Bergischen Universität genutzt.

Fazit: Wir waren immer alle zu spät.

Damals, als es noch die Jahrgangstufe 11 gab, G8 eine bekloppte Idee, und in Wuppertal zum 18. Geburtstag Autos von den Eltern an die Kinder verschenkt wurden, ja damals waren wir auch während der Oberstufenzeit in der Lage selber Auto fahren zu dürfen.

Dass die Lehrer am Süd anders drauf waren, merkten wir durch so launige Benotungen wie „mangelhaft (solide)“ am Süd. – und speziell ich an der Tatsache, dass eine Abi-Vorklausur von mir am WDG im anderen Leistungskurs geschrieben, es in die Abizeitung geschafft hatte – und eine im gleichen Schreibstil keinen Anklang am Süd fand. Meine mögliche Abi-Nachprüfung habe ich dann mir und dem Lehrer gespart. Wer wollte 1996 schon lesen, dass die Möglichkeit der vollständigen Deindustrialisierung im Ruhrgebiet besteht und Opel als letzter großer Arbeitgeber auch wegfallen kann.

Wie auch immer, wenn möglich, wurden zu der Fahrerlaubniszeit das eigene Auto oder der Zweitwagen der Mutter mitgebracht und die Mitschüler im PKW zwischen den beiden Schulen befördert. Manchmal dann eben alle in einem Auto

Und deswegen bin ich jetzt für eine Seilbahn zwischen der Talsohle und den Südhöhen – und für eine Verlängerung bis Sudberg im Süden – und zum Westfalenweg im Norden (oder von Hattingen nach Solingen – warum nicht?).

Öffentlicher Personennahverkehr muss dicht getaktet sein, muss verlässlich sein, es muss Spaß machen ihn zu nutzen. Eine Seilbahnfahrt ist ein Privileg – großartig ein solches einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen!

… ich war im Übrigen der Fahrer des Golfs … mit 45 PS, im 2. Gang die Cronenberger hoch – wobei es bergab spannender war.

Wenn der ÖPNV negativ bewertet wird, wird auf den PKW ausgewichen. Egal wie. Und schon vor 25 Jahren hat das Angebot nicht ausgereicht.

 

13 thoughts on “WTF: 9 Leute in einem Golf2?

  1. Norbert

    Nun, die Wuppertaler Bevölkerung hat sich vollkommen zu Recht gegen die sinnlose Seilbahn entschieden. Sprach ja auch nichts wirklich für wenn man nicht gerade Politiker ist und sich ein Denkmal setzen möchte. Die Wiedereinführung der Straßenbahn wäre sicherlich sinnvoller und schneller umsetzbar.

    Antworten
    1. von mir Beitragsautor

      STRAßENBAHN??? Hättest Du geschwiegen, wärest du Philosoph geblieben. Sag mal – das ist Bullshit! Es gab (worum es auch sehr still geworden ist) den „Gegenentwurf“ die Wiederaufnahme der Barmer-Bergbahn die hat aber eine völlig andere Trassierung und hat ein Ende, wo nicht wirklich jemand hinwill (Eisdiele) und einen Anfang wo niemand hin kann (Die Talstation wurde im Zuge der Vergrößerung des Heizkraftwerkes abgebrochen.) Herzlichen Glückwunsch. Wuppertal ist nicht Dortmund und hat ein etwas anderes Relief – das für schienengebundene Verkehre ungeeignet ist. Der alte Döppersberg war noch für Straßenbahnen ausgelegt, die ganze Talachse war für Straßenbahn ausgelegt. Das ist alles großflächig kassiert. Du willst jetzt ersthaft sagen, dass es preisgünstiger ist, sämtliche Hauptverkehrsadern aufzureißen um eine neue Straßenbahn, die im Zweifel im Stau stehen wird, wieder einzuführen? Das Problem ist der begrenzte Platz im Tal und nasse Straßenbahnschienen sind das letzte, was ich als Fahrradfahrer auf der Cronenberger Straße bergab haben will.
      Sinnvoll einzuführen – und aber auch nicht billig – wäre die flächendeckende Verdrahtung für O-Busse – das würde immerhin die Schienen sparen.
      Schneller umzusetzen als ein paar Masten aufzustellen? Billiger und schneller umzusetzen als eine Straßenbahn wäre es den Campus Grifflenberg aufzugeben (denn darum geht es ja hauptsächlich bei der Seilbahn bei der Ausbaustufe) und auf der Fläche des ehemaligen Steinbecker Güterbahnhofs (Steinbecker Meile) neuaufzubauen.

      Es wird exakt nichts passieren. Es wird keine zusätzliche Investition in irgendeine ÖPNV-Infrastruktur geben. Den NIMBYs, die sich im Blockieren groß getan haben und jetzt keine Zukunft liefern müssen, sei Dank. Autonome Schwarmfahrzeuge (Artikel von der Website entfernt – ich verlink nicht alle) … Und glaub nicht, dass wenn „Fahrradstadt Wuppertal 2025“ zur Abstimmung gestanden hätte, ein anderes als ein ablehnendes Votum dabei rausgekommen wäre. Hätte sich jemand ein Denkmal setzen wollen, dann hätte der sich denkmalsetzende Politker vielleicht das hier beherzigen sollen, in Wuppertal ist der Diskurs weiter als Dein Kommentar. scnr.

      Antworten
      1. Norbert

        Von billiger (vermutlich nicht, weil ein viel größeres Netz) habe ich nichts gesagt und auch nur relational zur Seilbahn als schneller umsetzbar und sinnvoller bezeichnet. Zwischen Oberbarmen und Döppersberg wäre entlang der B7 zumindest genug Platz und alles in öffentlichem Besitz. In 10 Jahren könnte die Bahn fahren, für die Seilbahn würden da immer noch Verfahren laufen wegen Enteignungen. So gut kenne ich mich in Wuppertal nicht aus, um beurteilen zu können, ob es vollständige Trassen auf den sinnvollen Nebenästen gäbe.

        Der autogerechte Umbau des Döppersberg ist kein Argument gegen die Möglichkeit einer Straßenbahn in Wuppertal. Schließlich gab es die mal. Letzte Woche war ich erstmals nach dem Umbau da und habe einen kurzen Blick auf die Stadtautobahn geworfen. Grausam.

        Vor dem Bau einer Straßenbahn wäre sicherlich ein Vergleich mit dem O-Bus sinnvoll.

        Keine Ahnung, was der Wiederaufbau der Bergbahn bringen sollte.

        Interessant, dass die Befürworter, die vermutlich eh alle mit dem Auto fahren, meinen, nur Profiteure der Seilbahn könnten das Vorhaben beurteilen und nicht die, die es über ihre Steuern finanzieren.
        https://www.blickfeld-wuppertal.de/oncampus/keine-seilbahn-in-wuppertal-das-sagen-rektor-koch-hsw-fritz-berger-und-asta

        Würde der Unibetrieb dann eigentlich stillstehen, wenn die Seilbahn stillsteht? Genug Ersatzbusse gäbe es dann ja nicht, die über andere Strecken fahren könnten.

        Antworten
        1. von mir Beitragsautor

          Moin Norbert, schön, dass Du noch da bist.
          Die B7 hat zwischen Barmen und Elberfeld einen grünen Mittelstreifen, weil da drunter in den 1990er Jahren der Wuppersammler gebaut wurde. Wenn ich nicht völlig falsch informiert bin, hat das Bauwerk zur Folge, dass es bei der grünen Mittelspur bleiben muss, da nicht mehr Gewicht oben drauf kommen darf – weder 40-Tonner noch Straßenbahnen – sonst wäre die B7 sicherlich auch auf der ehemaligen Straßenbahntrasse 6-spurig ausgebaut worden. Der alte Döppersberg hatte ja die Überflieger und die Anordnung der Fahrspuren weil er ein Verkehrsknoten mit Straßenbahnen war. Jetzt ist der Busbahnhof nur noch mit einem Schleifchen zu erreichen, der sicherlich zu enge Kurvenradien für ein Schienenfahrzeug vorhält. Wenn Du erst vor Kurzem da gewesen bist, hast Du sicher auf dem Zweirichtungsradweg durch den Döppersberg das Busstellen-Haltehäuschen gesehen, dass aus dem Radweg eher einen Radpfad macht – dieses Häuschen steht da vorrübergehend bis August, bis die Schwebebahn wieder fährt. Das Schleifchen hoch zum neuen Busbahnhof sparen sich die Schwebebahn-„Express“-Busse – so viel zum möglichen Ersatz mit Bussen…
          Ich bin dafür, dass die öffentliche Hand Investitionen tätig. Und wenn das Steuergeld in ÖPNV-Projekte fließt, finde ich das da viel besser aufgehoben als in den Ausbau von irgendwelchen Autobahnen. Zumal ich die Seilbahntrassierung für etwas kurzgesprungen halte – den Schlag auf den Nordhang der Wupper – oder nach Solingen wäre visionär aber ein paar Hausnummern größer geworden … Aber ein Anfang hätte wenigstens gemacht werden können.
          Die Uni fand ich etwas falsch angebunden – bei „ich-wünsch-mir-was“ hätte ich die Station statt dem Biblotheksanbau auf den Campus Grifflenberg gepackt und dann hoch zum Campus Freudenberg. Wobei sich ja immer die Frage stellt, wie sich Verkehre möglicherweise auch vermeiden ließen. Und da hat halt der LVR (LandesVaterRau) die Weichen nicht so stellen können, wie es zwischendurch hätte gemacht werden können .. zur Zeit wird für 400.000.000 € der Campus Grifflenberg saniert. Der Güterbahnhof Steinbeck war zu der seeligen Zeit noch in Betrieb – seit den 1990er Jahren nicht mehr, 2015 wurde der letzte Lokschuppen abgerissen – die Fläche des Güterbahnhofes wurde nicht als Reservefläche für die absehbare Sanierung der in den 1970er gebauten Gebäude auf dem Grifflenberg vorgehalten – sondern im Gegenteil zur „Automeile“ erklärt. Eine Senke für viel mehr innerstädischen Autoverkehr mit Baumarkt, Supermärkten, Waschstraße und Autohaus. Ich wiederhole mich. Sorry. Ach, nebenbei: 2.000 € – so raunte man mir zu – würde alleine die monatliche Pacht für die Imbissbude vor dem Baumarkt kosten, ich tippe die kassiert jemand privates.
          Also: keine Seilbahn, keine Straßenbahn, keine Busse, keine Ausgabe von Steuergeldern, Lähmung, visionsfreies Dahinsiechen. Wuppertal – erstickt im individuellen Autoverkehr – denn den wirst Du bei keiner Bürgerbefragung los, die Mehrheit will Auto fahren, die Mehrheit hat Recht.

          Antworten
  2. Norbert

    Das sieht man dem Grün nicht an. Dennoch gibt es neben dem Grün noch genug umwandelbare Kfz-Fahrbahnen und Parkplätze.

    Bei einem Busbetrieb sind Umleitungen möglich, wenn ein Abschnitt ausfällt, wenn ein Bus ausfällt steht auch nicht alles. Gäbe es eine Seilbahn, würden die WSW ihren Buswagenpark entsprechend reduzieren oder man müsste einen Ersatzwagenpark vorhalten. 10-20 Busse (grob geschätzt) dauerhaft mit Fahrpersonal vorzuhalten wäre nicht gerade billig. Die Alternative wäre, dass dann einfach nichts geht. Diesen Nachteil sollte man schon betrachten und gerade Wuppertal mit seiner Schwebebahn sollte wissen, was das bedeutet.

    Am Döppersberg war ich nur vorm Hauptausgang und suchte das Fahrradparkhaus. Ich fand dann in einer Resteecke des Kfz-Parkhauses ein paar Radboxen.

    Antworten
      1. von mir Beitragsautor

        Ach so, das Fahrradparkhaus am Döppersberg hatte in der #FahrradstadtWuppertal-Community ähnlich viele Fürsprecher wie aufbruchFahrrad oder der ADFC. Sprich: keine.

        Vielleicht empfinden sie es jetzt als Erfolg, dass kein Fahrradparkhaus außerhalb errichtet wurde, sondern im Auto-Parkhaus eines eingerichtet wird – ich weiß es nicht.

        Antworten
        1. Norbert

          Ich hatte beim Umsteigen ein paar Minuten Zeit. In der Bahnhofshalle gab es ein Wegweiser, der mich ratlos auf überdachte Kurzzeitparkplätze für’s Kfz führte. Dann wieder raus und die Dinger zufällig durch Schlitze in der Fassade gesehen. Sichtbar und Leicht auffindbar geht anders. Kurzzeitstellplätze für das Fahrrad gibt’s nur im Freien. #Lernmöglichkeiten

          Die Anspielungen zur #FahrradstadtWuppertal-Community verstehe ich nicht.

          Antworten
          1. Norbert

            Weil noch nichts da ist, fangen wir besser gar nicht an mit der Radinfrastruktur … eine Argumentation, die ich nicht nachvollziehen kann. Für die nächsten Jahrzehnte wird dann erst einmal nichts mehr kommen am Hbf in Wuppertal.

          2. von mir Beitragsautor

            Ja, ich habe auch bei der Lektüre eine Weile meinen Kopf nicht mehr von der Tastatur hochbekommen. Die Ränder der Tasten waren noch lange auf meiner Stirn zu sehen. Ende 2015, als das mit der Radstation aufpoppte, habe ich mich klar dafür ausgeprochen. So wie jetzt für die Seilbahn, denn ich denke, wie Du, dass da erstmal nichts mehr kommen wird an Infrastrukturinvestition. Bornierte Akteure, provinzielles Handeln, gelähmte Stadt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.