Interview Emanuel (34)

Emanuel ist seit Geburt Wuppertaler und jetzt selbständiger Erzieher. Er leitet eine kleine Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft in der Beek.

Wann hast du dir erstmals überlegt, dir ein Pedelec zu kaufen?
So Mitte 2013. Ich war immer Fahrradfahrer, wollte immer möglichst selbstständig und umweltfreundlich mobil sein und so selten wie möglich der Ölindustrie Geld in den Rachen werfen.

Gab es einen Schlüsselmoment?
Die Testfahrt auf einem Pedelec meiner Eltern. Die Pedelecs sind biedere Tiefeinsteiger eines großen Anbieters. Kann nicht sein – ich bin zu jung – ich fahre Fahrrad, ich will mir die Kraft erhalten, die ich auf dem Rad aufgebaut habe – aber das hat Spaß gemacht! Seitdem war ich geil darauf. Meine Eltern sind vorher kaum Fahrrad gefahren, erst seit dem Pedelec sind sie in Vohwinkel – statt mit Auto – mit denen unterwegs – an bequemen Tagen.

Wie bist du jetzt zu deinem gekommen?
Ich hab mich im Internet informiert und es gab einen in Wuppertal, der mich angesprochen hat, einen kleinen, feinen Laden, keine Kette! Der sehr leichte Rahmen meines Trekking-Rades war zu leicht – also das hintere Ausfallende hätte den Hinterradmotor nicht so wirklich aufnehmen können. Also habe ich mir ein komplett Neues zusammenstellen lassen.

Was waren die Kriterien bei dem Kauf?
Ich muss, auch wenn der Akku leer ist, weiterfahren können und das scheint mit einem Mittelmotor nicht der Fall zu sein. Also musste ich einen Heck- oder Frontantrieb wählen, denn den Muskelkater meines Lebens habe ich mir geholt, als ich mit leerem Akku auf der Talsohle mit dem Pedelec meiner Eltern unterwegs war. Weitertreten geht auch mit Mittelmotor, solange ich getrampelt habe, habe ich nichts gemerkt – aber am nächsten Tag…

Deines hat Hinterradantrieb?
Ja, mit 18 Gängen.

18?
21, 24 – wir können ja nacher nachgucken.

Was ist denn so das Highlight?
Krass mehr Fahrrad. Ich habe bisher keinen Bord-Computer gehabt, der zeigt mir jetzt nach einem Jahr 7.000 km an.

Wo parkst du dein Pedelec in der Regel?
Draußen ist ein Unterstand im Vorgarten, die in der Schweiz bauen so etwas in Chic. Und in der Stadt – an einem Fahrradparkplatz fest sichern – mit einem Faltschloss.

Wann und wo lädst du deinen Akku?
Täglich nach jeder Fahrt. Akku ausbauen. Neben der Haustür gibt es einen festen Platz.

Hast du einen Zweit-Akku?
Nein.

Mit welcher Unterstützungsstufe fährst du?
Auf der Trasse immer voll. Aber das wechselt, das ist sehr variabel. Ich habe sechs Unterstützungsstufen. Es kommt darauf an, ob die Strecke kurvig, bergauf … und wenn ich mit anderen Touren fahre, dann bleibt der Motor aus.

Bordcomputer – was wird da denn angezeigt?
Das ist sehr übersichtlich – nur die Uhr fehlt.

Fährt in deinem Haushalt sonst noch jemand Pedelec?
Mein Mann. Dessen Fahrleistung hat sich drastisch erhöht. Seitdem er das Pedelec hat, ist ein in einem Jahr so viel Rad gefahren, wie in seinen 30 Jahren zuvor in Bochum, seiner Heimatstadt, zusammengerechnet.

Welche Schulnote würdest du deinem Pedelec für die Alltagstauglichkeit geben?
Note 1 – tatsächlich.

Unter welchen Umständen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du dein Pedelec lieber stehen lässt, und ein anderes Verkehrsmittel nutzt?
Wenn mein Renault Zoe vor der Tür steht. Gestern war ich beim Straßenverkehrsamt und habe mir die Schilder geholt. Ich fahre auch gerne Auto. Und elektrisch habe ich kein schlechtes Gewissen.

ÖPNV?
Als ich das Pedelec hatte, hatte ich etwa ein halbes Jahr parallel noch Ticket2000 gehabt. Nicht mehr gebraucht und dann gekündigt.

Finanzielle Vorteile des Pedelecs?
Definitiv: kein Auto, kein Busticket, keine Parkgebühren und die Wartungskosten sind überschaubar.

Das Image…
Das ist doch was für alte Menschen, sagen die, die nicht in Wuppertal wohnen. Die schöne Stadt Wuppertal hilft bei der Rechtfertigung von Pedelec-Nutzung in meinem Alter.

Bist du ein typischer Pedelec-Nutzer?
Ja, die tägliche, krasse Nutzung ist typisch.

Sicherheit und Pedelec, ein besonders Thema?
Die Gesellschaft macht ein Thema draus. Mit einem Pedelec kann ich mehr mitschwimmen als ohne Unterstützung. Je angepasster ich am Verkehr bin, desto weniger falle ich auf, desto weniger bin ich Störobjekt und nervig. Wenn ich die Ronsdorfer runterfahre, fahre ich zum Beispiel in der Mitte des rechten Fahrstreifens. Die Autos sollen ruhig die Spur wechseln, wenn sie mich überholen müssen.

Und Helm?
Helm ja – bei den aktuellen Wetterverhältnissen, im Sommer eher nicht. Es gibt Studien, die besagen, dass Helme nett sind, aber in der Regel nicht den Kopfbereich schützen, der besonders gefährdet ist – es sei denn, ich trage einen „Kugelhelm“ und den trage ich nicht.
Und: ich fahre mein Leben lang Rad und bin oft gefallen, nur noch nie auf den Kopf…
Es ist sowohl dieses Freiheitsgefühl ohne Helm zu fahren, als auch ein Statement gegen die allgemeinen vorherrschende Sicherheits-Hysterie.

Welches Verkehrsmittel würdest du am meisten vermissen, wenn du es nicht mehr zu Verfügung hättest?
Tja, geht ja um heute, da habe ich den Zoe ja noch nicht. Sonst wird das schwierig zu beantworten.

Der Zoe … hast du eine Garage mit Stromanschluss?
Nein, aber das neue Haus auf dem Küllenhahn für die Heimerweiterung bekommt eine CEE-Außensteckdose.

Bei den Temperaturen, schon Winterreifen für den Zoe besorgt?
400 EUR mit Felge, war doch nicht zu teuer?

Pedelecs werden hier in Wuppertal maßangefertigt

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