Das war der #AntiTerrorAnschlag „☕4?“ der Sektion Wuppertal-West des Asozialen Netzwerks

Blatt mit der Abbildung von 41 Kaffeetassen

3 Kaffees wurden in Anspruch genommen, der erste von mir selber, die beiden anderen von ein und derselben Person

Straßenszene: Ein Radfahrer neben Parkhaus B

Ein Radfahrer in der betreffenden Woche neben Parkhaus B auf der Max-Horkheimer-Straße – trotz vorlesungsfrei, miesem Wetter und Corona

Du kommst mit einem Fahrrad zur Uni – Du bekommst einen Kaffee
Bewusstsein schaffen
– als Rufer in der Wüste. Die Vorstellung, dass eines der drei Parkhäuser an der Bergischen Universität einer kompletten Revision unterzogen werden muss, und dabei nicht unerheblich Parkraum einfach wegfallen wird, sah ich als Anlass mal auf andere Möglichkeiten zur Uni zu kommen hinzuweisen.

Tut ja sonst niemand. Nachdem die Seilbahn von den Entscheidern verzockt wurde, ist erst Mal Ende im Gelände der weiteren Suche nach Alternativen. Uninspiriert wird einfach weitergewurschtelt, um bloß nicht Graubereiche auszunutzen oder sich in irgendeiner Art und Weise aus dem Fenster zu lehnen. Aber ich bin unbesorgt, innerhalb der nächsten Jahren verändert sich das Personaltableau erheblich – auf jeder Ebene.

Als ich die Hausmitteilung – so werden an der Uni die redaktionell betreuten, hausinternen PDFs mit Stellenangeboten, Angebote von zuviel bestelltem Druckertoner oder Hinweisen zu Stromabschaltungen oder Verhaltensweisen bei Chinareisen genannt – vom 7.2.2020 las, in der die Schließung eines Parkhauses angekündigt wurde, dachte ich an meine Idee von vor 2 Jahren zurück. Irgendwas Lustiges könnte ich doch auf die Beine stellen – wie wäre es mit einem Kaffee für die Tapferen, die statt Auto mit dem Fahrrad zur Uni kommen? Auf meinen Aufruf, mit mir zu etwas zu organisieren, hat sich niemand gemeldet – also, was bin ich bereit, für so eine Idee selbst zu zahlen? Wie groß ist meine Reichweite, wer würde sich auf so ein dubioses Angebot einlassen? Die Finanzierung ist ja durchaus nicht trivial, denn wer lässt sich schon auf einen Kaffee einladen, ohne dessen Bezahlung und somit den mutmaßlichen Weltverbesserungs-Vektor zu kennen? Auf die Idee, dass das einfach nur ein Anti-Terror-Anschlag ist, bin ich auch nur gekommen, als ich für meine Idee einen verbrämenden metaphysischen Überbau brauchte – denn ich musste mich häufig erklären. 50 € riskiert halt niemand für Kaffee für Unbekannte, ohne direkten Kontakt oder ohne Flyer mit Message.

Als ein Glücksfall bei der ganzen Aktion stellte sich die Empfehlung eines meiner Kollegen heraus, die an einen Journalisten ging, der grade nach Radfahrern an der Bergischen Universität suchte. Gut, die beiden wohnen auf dem Nordhang im gleichen Viertel, und in Wuppertal kennt man sich auch … dass wir uns schon von einem Kontakt im vorletzten Jahr duzten, fiel ihm dann auch wieder ein. Während des Telefoninterviews dachte ich häufiger: lies doch meinen Blog, da steht das alles drin. Jetzt noch einmal in prägnante kurze Sätze fassen, na gut – für Dich. Ich mag mich überhaupt nicht zu wiederholen. Wiederholungen sind für mich ein persönlicher Angang.

Als Sahnehäubchen kam die Aktion also am nächsten Tag noch in die Zeitung. Eigentlich wollte ich sie nur einen Tag lang laufen lassen, aber niemand hatte am ersten Tag nach einem Kaffee gefragt. Die Ausschankstelle des Kaffees ist ein Kiosk, das privatwirtschaftlich bewirtschaftet wird – also die Inhaber stehen selbst täglich hinter der Theke und schenken den Kaffee persönlich aus. Wer auch immer nach einem Kaffee wegen einer angeblichen Anfahrt mit einem Fahrrad gefragt hätte, hätte einen Kaffee bekommen, das hatte ich so ausgemacht. Um das zu vereinfachen, habe ich einen DIN-A4-Bogen mit 41 Kaffeetassen bedruckt, die hätten dann alle nacheinander weggestrichen werden können. Den ersten Kaffee auf dem Zettel habe ich getrunken. Also: am Freitag reingereicht, am Montag mal nachgefragt – und die Aktion verlängert. Am Dienstag wurde mir dann freudig vom Ausschank des ersten Kaffees berichtet – und ich bekam den Anruf für das Telefoninterview. Ob ich denn bereit wäre, dass ich mit Klarnamen und Foto in die Zeitung komme – ja, klar, ich bin ja auch irgendwo ’ne alte Rampensau.

Am Dienstag abend um 23:00 veröffentlicht die WZ dann im Internet die Artikel der Printausgabe des morgigen Tages für den Kreis der Abonennten. Wie groß die Schnittmenge dieser Menschen mit denen ist, die mit dem Rad hätten fahren können – ich weiß es nicht, auf jeden Fall hatte ich am morgen direkt den ersten Telefonanruf auf dem Dienstanschluss wegen der Aktion von jemandem, der in dieser Schnittmenge ist.

Fazit:

3,60 € für jede Menge Schulterklopfen und gemeinsames Lachen. Ob ich die Aktion nicht als Forschungsprojekt bei meiner Bewerbung für die zukünftige Fahrradprofessur einbringen wolle, wurde ich aus dem Senat gefragt. Von ver.di hatte ich bisher kaum etwas an der Hochschule gehört, ebenso wenig von der katholischen Hochschulgemeinde, aber nun möchten Sie beim nächsten Mal dabei sein, wenn ich wieder für mehr Rad an der Uni werbe.

Und aus dem Rektorat hörte ich: „Vielen Dank für den Kaffee“ –  es hätte schlimmer kommen können.