Nach fest kommt so was von ab…

Schutzblechschraubenstumpf im Achskörper

Schutzblechschraubenstumpf im Achskörper – hier begann das Elend

Aus keinen Fehlern kann ja auch nichts gelernt werden. Im heutigen Beitrag beschreibe ich zahlreiche Fehler, die ich gemacht habe, beim Versuch den Rest einer Schraube aus einem Alukörper herauszuwinden.
Dies sei eine Warnung an alle, die die Drehmoment-Definition auch an Fahrradbauteilen geflissentlich ignorieren. Denn die Quelle alles Übels war eine zu fest gezogene Stahlschraube in einem Alugusskörper.
Kaltverschweißung kenn ich ja .- und wenn es eine Sattelstütze mit Packende ist und ein Rahmen, der auch mal die Temperatur eines Bunsenbrenners abkann – um so besser. Aber vielleicht drehen ja auch andere Menschen Schrauben zu fest ein – in Bauteilen, die chemisch mit der Schraube reagieren.
Inzwischen gibt es ja für alles Aufklärungsvideos – z.B. wie ein Schraubenstumpf unter „Laborbedingungen“ entfernt wird.
Für die Revision der Bremse am Twizy müssen die Schutzbleche abgeschraubt werden. Jedes Rad hat ein Schutzblech, das mit 3 Schrauben fixiert ist. Ganz entfernt werden 2 davon. Beim Entfernen des 2. Schutzbleches verabschiedete sich direkt der Schraubenkopf der ersten Schraube. Na super – direkt unterhalb des Kopfes scherte die Schraube ab. Der Stumpf stand noch etwa eine Mutter dick ab.

Da ich kein Schweißgerät habe, probierte ich folgendes: Eine Mutter nehmen, diese quer durchbohren, aufschrauben und dann den Schraubenstumpf durchbohren, dann den Bohrer umdrehen und mit einem Gabelschlüssel drehen. Effekt: Bohrer bricht in Mutter und Schraubenstumpf und ich dreh mir das Gewinde kaputt.

Der Stumpf hat sich nicht bewegt.

Aufgeklappter Kasten 841-25

Feuchter Traum aller abgebrochenen Schraubenstümpfe

Ok, aufschlauen im Internet, wie ein Stumpf  entfernt wird, in irgendwelchen Segel-Foren lesen, dass das Hazet-Set 841-25 für Weltumseglungen unverzichtbar sei und direkt mal eines bestellt. Eine 8.8 M8-Schraube aus dem Aluguss zu drehen, sollte ja nicht so das Ding sein.

Das Aufsetzen der Bohrerführung, damit der Bohrer mittig in der abgebrochenen Schraube niederkommt, das sah so aus, als könnte ich das auch bei montiertem Achskörper und mit einem Akkuschrauber tun. Aber ersteinmal die Hülse .. die wollte nicht auf den Stumpf, da das weiche Schraubenmaterial sich bei meinem ersten Versuch verformt hatte – ein weiterer Fehler: die Hülse mit einem Schlosserhammer in Position zu bringen. Die Bohrführungshülse ist aus einem sehr harten und somit sehr spröden Material. Was macht die? Knack.

Gebrochene Bohrführungshülse

Führungshülse gebrochen

Ok, ich – freihändig mit Akkuschrauber und kaputter Hülse … knack, Bohrer auch abgebrochen. Die größeren Hülsen waren zu groß, die nächste Bohrerdicke zu dick – also einen 4er HSS-Bohrer suchen, der noch nicht stumpf – ach, das kommt später …

Also, 4er-Bohrer gefunden, Schraube durchbohrt mit zartem Druck und ohne Kühlung bis am Ende der Bohrung sich das irgendwie anders anfühlte und mir die Tiefe ausreichend erschien. Dann den Bolzen einhämmern und die Bolzen-Drehmutter drauf und … und es bewegt sich … es bewegt sich ein bisschen – Knack.

Der Ausdrehbolzen ist ebenfalls sehr hart und sehr spröde und obwohl ich 10 mm Abstand eingehalten hatte, war der Bolzen knapp oberhalb des Stumpfendes ebenfalls abgebrochen. Allerdings zu knapp, um ihn mit einer Zange zu packen und zu festgedreht oder geschlagen, als dass das Dingen von selbst rausfiele. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Bei der weitergehenderen Untersuchung des Alukörpers stellte ich fest, dass die Bohrung für die Schraube durch den Körper führt – also dass, wenn ich den Bolzen durch die Schraube hindurchschlüge, er auf der anderen Seite herauskommen müsste. Ich hatte noch das längere Ende in der Hand. 5mm ging das gut. Dann zerbarst der Rest des Bolzens.

Bolzen in Schraube

Ausgebaut, und die Einpressung der Schutzblechstrebe im Alu ist sichtbar – Bolzen in der Schraube – Drehmomentschlüssel sind ein must-have und 21 Nm knapp handfest

Gut, ich habe also in einem Stumpf einer abgebrochenen Schraube einen abgebrochenen Bolzen – dann bohr ich den doch einfach aus und nehme den nächstgrößeren.

Falsch. Das Material des Bolzens ist so hart, dass ich meine letzten scharfen Bohrer an ihn verloren habe. Alle stumpf – trotz Ausbau, Bohrmaschinenständer, Schneidöl …

Also wieder auf 0 oder auf -10.

Letztendlich habe ich den Stumpf mit einem Dremel weggeflext und daneben eine Bohrung niedergebracht, die Alu und Schraubenmaterial weggenommen hat, und dann da ein neues Gewinde reingeschnitten. Jetzt ist das Loch nicht mehr original, aber wenn ich die Bremsscheibe tausche, dann wechsele ich den ganzen Träger ja mit aus. So lange wird das wohl halten. Das war auch der Grund, weshalb ich nicht einfach von der anderen Seite aus an die Bohrung kam, weil da die Bremsscheibe vor sitzt – zumal ich dann alles wieder hätte zusammenbauen müssen um die Achsmutter zu lösen ..

Was habe ich gelernt?

Schraubenausbohren ist „nicht mal eben“.

  1. das Teil ausbauen und direkt unter den Bohrmaschinenständer legen
  2. direkt mit Hülse und Bohrung von oben arbeiten
  3. die Hülse nicht mit Gewalt auf den Stumpf zwingen
  4. den Bohrer nicht verkanten
  5. wenn möglich, das Loch mit einer Nummer größer noch einmal nachbohren
  6. wenn sich der Schlagbolzen dreht, die Schraube aber nicht – wieder rausziehen und 5.)
  7. wenn der Bolzen im Stumpf abbricht, dann den Stumpf rund um den Bolzen wegflexen und den Bolzen mit einer Zange ziehen – dann 5.)
  8. Bolzen lassen sich nicht durch Schrauben schlagen
  9. gar nicht erst versuchen, das Material des Bolzen „wegbohren“ zu wollen

 

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